Müllreduzieren hat Tücken

8. September: Restmüll reduzieren hat Tücken

Den Restmüll und Plastikmüll zu reduzieren ist gar nicht so einfach. Mir war schon klar, dass es Tücken mit sich bringen würde. Klopapier gibt es nur in Plastik verpackt, Zahnbürsten ebenso und die bestehen gleich daraus. Nur nach Recherchen findet man im Internet kompostierbare Bambuszahnbürsten, aber bisher nicht für eine elektrische Zahnbürste. Bei Arzneien hat man auch wenig Ausweichmöglichkeiten. Quark und Shampoo sind nur in Plastikbehältern zu bekommen, Zahncreme aus der Alutube hat eine Plastikdeckel. Die Innenseite der Deckel der Twist - Off Gläsern von Marmelade, Essiggurken, Apfelmus und anderen Konserven sind meistens aus PVC. Das sehe ich erst nach dem Öffnen. Augenscheinlich in Karton Verpacktes hat eine Innenschicht aus Plastik. Manchmal sieht man es vorher, manchmal erst, wenn man es benutzen will.
Grund ist sicherlich der Preis. Die Unternehmen müssen günstig produzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Außerdem verlangen die Verbraucher auch höchste Qualität und die bewerkstelligen die Unternehmen mangels Alternativen mit Plastik. Oder möchten Sie gerne, dass ihre Medikamente oder Kontaktlinsen Keimen ausgesetzt werden?
Bei vielen Sachen sind den noch so nachhaltig denkenden Firmen die Hände gebunden. Manchmal aber auch nicht!
Nudeln, Zucker oder Salz können beispielsweise in Papier statt in Plastik verkauft werden. Der Verbraucher kann an dieser Stelle durch sein Kaufverhalten diese Unternehmen unterstützen: Kaufen Sie deren Produkte, auch wenn sie vielleicht ein wenig teurer sind! Machen das genügend Menschen, werden die Firmen wegen des Absatzes umdenken und umstellen.
Aber zurück zu Shampoo und Toilettenpapier, das es eben nur in Plastikverpackungen gibt. Auf manche Produkte kann man ohne große Entbehrungen verzichten. Aber auf manche eben nicht, wie Shampoo oder Toilettenpapier. Oder meint man das nur?
Manche Waschen sich mit Essig und herkömmlichen Backsoda die Haare, manche gar nicht und sollen laut deren Selbstversuche auch nicht stinken....
Toillettenpapier hingegen ist eher in der westlichen Welt ein Muss. Die anderen waschen sich mit Wasser, was angeblich auch gesünder und sauberer sein soll. Für die Umwelt ist es sicherlich optimal. Aber mal Hand aufs Herz: Wer will wirklich darauf verzichten? Wir haben uns daran gewöhnt und stellen uns eine Reinigung ohne Toilettenpapier als unsauber vor.
Einige Sanitärfirmen setzen nun auf Dusch-WCs. Eine Mischung aus normaler Toilette und Bidet, teilweise mit Fönfunktion. Einige können auf den Spülkasten verzichten und da kein Toillettenpapier weggespült wird, spart man auch einges an Wasser und klar - an Toillettenpapier. Aber wer braucht gerade eine neue Toilette und kann sich mit dieser Technik anfreunden? Und fragen Sie nicht nach dem Preis!
Nachhaltig und ohne Abfall zu leben ist in manchen Punkten schwer möglich, außer man hat das nötige Kleingeld, um zu investieren.
Ist Zero Waste nur etwas für Menschen mit dem nötigem Kleingeld? Neue Küchenutensilien aus wiederverwertbaren und gesunden Materialien, wie Edelstahl, neue dichte Fenster für die Wohnung oder das Haus, samt passender Dämmung, Dusch-WCs, Zysternen für das Spül- und Gießwasser, teures Speiseöl, Schokolade und Pralinen in Feinkostgeschäften, die in die mitgebrachten Gefäße abfüllen, Gardinen aus reiner, ökologischer Baumwolle oder aus Leinen, unbehandelte Vollholzküche, angepasst vom Schreiner - um nur einige Beispiele zu erwähnen, die Zero Waste perfekt machen würden.
Das klingt toll, ist aber nicht für jedermann erschwinglich. Soll ich deshalb Zero Waste aufgeben? Ich meine: Nein!
Ich brauche keine neue Küche und eine gut funktionierende Bestehende zu entsorgen wäre Ressourcenverschwendung. Sie second hand zu vergeben ist meist auch mit hohen Preiseinbußen verbunden und meine Küche passt auch nicht überall hinein. Um sie passend zu machen, müsste man möglicherweise einzelne Schränke entsorgen und/oder neu dazu kaufen. Und denken Sie mal an die Arbeitsplatte!
Ich will Zero Waste nicht bis zum Äußersten treiben und das muss und kann man meiner Meinung nach auch nicht. Die Innenverkleidung der Spülmaschine oder des Kühlschrank besteht nunmal meist aus Plastik.
Aber manchmal kommt man mit Verzicht oder ungewöhnlichen Wegen weiter.
Beispielsweise Zahncreme: Ein Zahnpuder statt Zahncreme aus Soda und Birkenzucker, das stark karieshemmend wirken soll. Soda mit Stevia benutzt die Amerikanerin Bea Johnson, die sehr bekannt für ihren Blog wurde. Krautwaschl, die österreichische Autorin des Buches Leben ohne Plastik und des gleichnamigen Blogs sagte in einem Interview mit Planet Wissen, dass sie Birkenzucker verwende. Es geht scheinbar auch anders.
Beides werde ich versuchen. Der Birkenzucker ist in der Apotheke bestellt. Die Ergebnisse bekommt ihr wie gehabt an dieser Stelle.
Meine Kinder werden bei dem Versuch nicht mitmachen. Das Zahnpuder beinhaltet kein Fluor und deshalb möchte ich erst Rücksprache mit unserer Ärztin halten. 

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Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Annika, 15.09.2014 um 07:52 (UTC):
Als Shampoo kann man auch Shampoo-Seife nehmen. Ich habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Das spart nicht nur Müll, sondern ist auch gesünder, da kein Silikon o.ä. drin ist.
Das Thema Zahnpasta finde ich auch sehr schwierig. Da hat die Industrie wahrscheinlich für viele Vorurteile gesorgt.

Kommentar von Grisuse, 01.11.2015 um 10:34 (UTC):
Hallo.

Ich bin durch Zufall über die Seite gestolpert.
Hut ab, ich bekomme das nicht so konsequent hin.
Aber ich tue in meiner Familie das für mich mögliche.
Zahntabs, Shampooseife etc.

Bei Shampooseife habe ich sogar den Eindruck, nach dem der Ganze Chemiemist rausgewaschen war, geht es meinen Haaren besser.
Sogar mein Friseur war begeistert bei der Anwendung im Salon.
Man kann nämlich auch da seine eigenen Produkte mitbringen.

Ich lese jetzt weiter und schau was ich umsetzten kann.

Liebe Grüße Andrea



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