Waschbarer Spüllappen aus alten Stoffen


 
Ein Spülschwamm ist in den meisten Haushalten ein typisches Abfallprodukt. 
In einem Zero Waste Haushalt sieht das anders aus.
Da versucht man seinen Müll auf ein Minimum zu reduzieren. Dabei geht man am besten Schritt für Schritt voran und die Baustellen sieht man sofort, wenn man in den Mülleimer schaut....
Liegt da doch glatt ein Spüllappen drin. Wie ersetzt man den?
Viele Spülschwämme bestehen aus Kunststoff und werden dann weggeworfen. Dass damit ein Rohstoffkreislauf nicht erhalten bleibt, insbesondere wenn der Kunststoff auf nicht nachwachsenden Materialien wie Erdöl basiert ist klar, genauso, wenn er nicht recycelt wird.

Komposter statt Restmüll

Wären die kompostierbaren Versionen eine Alternative? Aus ihnen entsteht wenigstens Erde. Trotzdem ist da ein ähnliches Problem wie bei den kompostierbaren Plastiktüten gegeben: Die öffentlichen Kompostierungsanlagen sortieren sie aus. Erstens ist nicht sofort erkennbar, ob dieser Schwamm tatsächlich kompostierbar ist und zweitens, ob er das auch in der Kürze der Zeit ist (innerhalb von 12 Wochen). Wer zu Hause einen eigenen Kompost hat und sagt, dass auch ein paar Monate in Ordnung wären, kann dies gerne tun. Die Komposterde wird hier ja keinen strengen gesetzlichen Regeln unterzogen, dass nur 5% Fremdanteil im Kompost sein dürfen nach einer gewissen Zeit. Wer also einen Kompost hat und möchte, kann auf kompostierbare Schwämme zurückgreifen. Achtet dabei auf die Normen: DIN 14995 (legt Kompostierbarkeit von Kunststoffen fest) bzw. DIN 13432 (legt Kompostierbarkeit von Verpackungen fest) oder auf Siegel wie das "Keimling", "Kompost ok" oder "Industriell-kompostierbar-DIN-geprüft"-Logo.
Trotzdem hat ein kompostierbarer Spülschwamm noch ein kleines Manko. Sie sind meist für die einmalige Verwendung ausgelegt, also ein Wegwerfprodukt. Manchmal kann man sie zwar waschen, aber nicht allzu lang, weil sie zerfleddern.
Eine weitere kompostierbare Alternative wäre auch ein "Luffa"-Schwamm her. Das ist ein Naturprodukt und vegan. Das ist kein Tier aus dem Meer, wie viele vielleicht denken, sondern die Luffagurke. Theoretisch kann man sie selbst anbauen, allerdings ist sie einerseits gelegentlich keimfaul, braucht starke Hitze und ist etwas empfindlich. Ich habe es jetzt schon drei mal vor dem Haus unter Dach versucht und scheiterte. Einen vierten Versuch werde ich noch einmal starten. Zu kaufen gibt es sie im Unverpackt-Laden, gut sortierten Bioläden, ab und an auch Drogeriemärkten und natürlich online. Diese Alternative wollte ich Euch noch vorstellen. Manche sind damit zufrieden, manche auch nicht und mögen die Haptik nicht und der Preis ist teilweise beachtlich.

Waschbare Spüllappen -  Wiederverwenden statt Wegwerfen
Kein Wegwerfprodukt wären dagegen waschbare Spüllappen. Sie können einfach mit in die Waschmaschine gegeben werden und halten je nach Häufigkeit und Intensität der Nutzung einige Monate.
Doch auch hier gibt es ein paar Sachen zu beachten:
 
  • Schaut auf das Material: Kunststoff gibt beim Waschen Mikroplastik in unser Trinkwasser ab und das bekommen wir aktuell nicht mehr heraus. Mikroplastik ist ein Schadstoffmagnet, wir nehmen es mit unserer Nahrung auf, so dass man die Miniteilchen sogar im menschlichen Darm findet, wo sie mal nicht hingehören, geschweige denn verdaut werden. (Vgl. Nachweis von Philipp Schwabl für die Medizinische Universität Wien/ Bettina Liebmann für Umweltbundesamt Österreich; Assessment of microplastic concentrations in human stool – Preliminary results of a prospective study – Philipp Schwabl, Bettina Liebmann, Sebastian Köppel, Philipp Königshofer, Theresa Bucsics, Michael Trauner, Thomas Reiberger, präsentiert im Rahmen der UEG Week 2018 in Wien am 24. Oktober 2018.). Aber falls die Mikroplastikpartikel, wie bei anderen Lebewesen in die Zellen eingebaut werden, kann das gesundheitliche Folgen haben. Studien am Menschen, die veröffentlicht wurden, inwiefern das Mikroplastik in menschlichen Zellen eingebaut wurde, gibt es bislang nicht. Da ist Prävention das A und O, insbesondere wenn die Folgen naheliegend sind.
  • Verzichtet beim Waschen auf umweltbelastende Duftstoffe und schwer abbaubare Stoffe in den Waschmitteln! Schaut genau auf die Packung! Wir machen unser Waschmittel wieder, wie am Anfang, selbst, nachdem das unser vollständig biologisch abbaubares Waschmittel im Großpack aus Papier nicht mehr zu beziehen ist. Wir stellen es meist auf Seifenbasis mit Enthärter (wir haben sehr hartes Wasser) gelegentlich aus Kastanien mit Waschsoda her. Als Weichspüler, wenn überhaupt nötig, eignet sich Zitronensäure oder Essig. Kommt bei uns eigentlich nicht zum Einsatz (früher mal bei Stoffwindeln, in der normalen Wäsche nicht)
  • Wenn ihr einen waschbaren Spüllappen kauft, nehmt Firmen, die möglichst wenig oder gar keine Verpackung dabei einsetzen.

Das Manko bei den waschbaren Spüllappen ist aber, dass auch sie erst hergestellt werden müssen und bestehen sie beispielsweise aus konventioneller Baumwolle, ist da ziemlich viel umweltschädliche Chemie allein beim Anbau mit im Spiel. Also schaut beim Neukauf, dass die Lappen ein Bio- oder bei Baumwolle ein GOTS-Siegel haben, dann sind sie noch etwas umweltverträglicher. Theoretisch wäre Baumwolle ja kompostierbar, aber die Stoffe werden z.T. stark behandelt. Allein die Farbe ist nicht ohne. Es gibt zwar farbige Stoffe, die kompostierbar sind z.B. bei Kleidung (Stichwort: cradle to cradle), aber bislang habe ich das bei waschbaren Spüllappen nicht gesehen. Kann aber ja noch kommen.

Upcyceln - Wiederverwenden und Zweckentfremden

Um einen besseren C02 - Fußabdruck zu haben, kaufen wir den Spüllappen nicht neu.
Wir verwenden alte Stoffe wieder z.B. Kleidung, Bettwäsche etc.. Als besonders geeignet stellte sich dabei ein Handtuch heraus.
Als Lappen war das aber ungeeignet, der auf dem Tisch, den ich gerade sauber kriegen wollte, wieder Fusseln hinterlässt. Die Alternative "alter Naturstoff pur" hat mich aber auch nicht überzeugt. Grund: Viele Baumwollstoffe (daraus besteht bei uns die meiste Kleidung) sind nicht so saugfähig, wie ich das gerne hätte. So ist eine Kombination entstanden: Der Baumwollstoff fusselt nicht so, das Handtuch ist sehr saugfähig. Wenn der Baumwollstoff feucht! ist, saugt das Handtuch innen drin wunderbar umgekippte Getränke auf. 
Aus einem alten Hemd oder Stoffrest habe ich also eine Hülle in passender Größe genäht, das Handtuch -Stück hineingegeben und die Hülle geschlossen. Damit das Handtuch sich aber nicht in der Hülle wellt und in ein Eck verzieht, besonders nach dem Waschen, habe ich es ausgetrickst und fixiert.
Ich habe einfach eine Naht in Form eines Kreuzes über den ganzen Lappen gemacht und siehe da: es hält.
Das sieht dann so aus (ich hoffe, ihr könnt das auch auf dem Handy erkennen):
Wer kann und will, schneidet die Stoffe auch ganz genau und akkurat zu und macht die Nähte außerdem ganz gerade und exakt .
 
Dieser Lappen ist eigentlich doppeltes Wiederverwenden (Reusing, Hilfssäule von Zero Waste). Es wurden alte Stoffe wiederverwendet, die man so nicht hernehmen kann und der Lappen selbst wird auch immer wieder verwendet statt weggeworfen.
Wenn die Industrie es irgendwann einmal schafft, auch Handtücher und sämtliche Klamotten so umweltverträglich und gesund (das muss man auch mal sagen, denn die Schadstoffe, die allein in Farben drin sind, lassen einem die Haare zu Berge stehen) herzustellen, dann sind irgendwann sogar diese selbstgemachten Spüllappen nach dem Ableben im Kompost und nicht im Restmüll.
Es gibt das tolle Ansätze z.B. kompostierbare T-Shirts und Basic-Pullis, die es mittlerweile auch in einem großen Kaufhaus zu erwerben gibt, aber leider reicht das nicht, um sich komplett einzukleiden.
Ich hoffe darauf, dass hier mehr oder bestensfalls ausschließlich auf diese Weise produziert wird und dass das dann auch gekauft wird.
Die Spüllappen mache ich einmal im Jahr auf Vorrat.

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