Was kann man für die Artenvielfalt tun?


Und wenn es das nicht mehr gäbe….?

Ein Spaziergang in der Natur ist wunderbar gegen Stress und gerade Kinder, die total aufgedreht waren, kommen beim Entdecken wieder runter. Die Vögel zwitschern in den Bäumen. Es summt und brummt. Die Grillen zirpen. Am kleinen Tümpel sieht man Unken und hört Frösche. Der Bach schlängelt sich durch die üppig blühenden Blumenwiesen und in ihm schwimmen Fische. Wer genau hinsieht, findet sogar Muscheln und Schnecken.
Was wäre, wenn das nicht mehr da wäre? Dann wäre es totenstill bzw. würde man als Ersatz vielleicht das Motorengeräusch der Autos hören.
Und wir sind auf dem besten Weg dorthin, denn:

  • 54% aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben!
  • 73% aller Tagfalter sind verschwunden!
  • über 75% aller Fluginsekten sind nicht mehr da!
  • in Bayern leben nur noch halb so viele Vögel wie vor 30 Jahren!

 Hier setzt das bayerische Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen, Vögel und Schmetterlinge – stoppt das Artensterben!“ an.

Was will man damit erreichen?

Das neue Naturschutzgesetz - eine Lebensversicherung für die Artenvielfalt
  • eine bayernweite Vernetzung von Lebensräumen für Tiere schaffen
  • Hecken, Bäume, kleine Gewässer in der Landwirtschaft erhalten
  • Blühende Randstreifen an allen Bächen und Gräben
  • die ökologische Landwirtschaft massiv ausbauen
  • 10% aller Wiesen in Blühwiesen umwandeln
  • alle staatlichen Flächen pestizidfrei bewirtschaften
  • Naturschutz als Teil der Ausbildung von Land- und Forstwirten
Wie kann man mithelfen?
  • Geht ins Rathaus und unterschreibt! Wir brauchen eine Millionen Unterschriften! Hier könnt Ihr nachsehen, wann die Öffnungszeiten Eurer Gemeinde sind, damit Ihr Euch eintragen könnt: Rathausfinder

  • Tragt Euch den Termin, der Euch am besten passt, gleich in Euren Terminkalender ein, damit Ihr ihn nicht vergesst! Denn Ihr könnt Euch nur in diesen zwei Wochen eintragen: 31. Januar 2019 bis 13. Februar 2019! Jede Stimme zählt! Wichtig: Ihr braucht Euren Ausweis!

  • Helft mit, das bayerische Volksbegehren publik zu machen! Sagt Bekannten und Freunden Bescheid, wann und wo sie sich eintragen können! Außerdem könnt Ihr Flyer verteilen oder Plakate aufhängen. Die Vorlagen zum Ausdrucken, findet Ihr hier! Auch könnt Ihr Euch einem regionalen Aktionsbündnis anschließen! 


Es ist wichtig, dass dieses Volksbegehren ein Erfolg ist. Denn es muss auch der Politik klar werden, dass hier etwas getan werden muss und dass die Leute das auch wollen.

Denn es geht um unsere Zukunft. Das hat auch die 15-jährige Schülerin Greta aus Schweden erkannt. Sie streikt jeden Freitag und geht an diesem Tag nicht in die Schule. In Deutschland haben das die ersten Kinder nachgemacht. Greta ist mutig. Sie bietet den Politikern die Stirn und sagt die unbequeme Wahrheit.

Wir müssen etwas tun. Greta hat vorallem zum Klimawandel gesprochen, aber der hat auch Einfluss auf die Artenvielfalt. Die Trockenheit des vergangenen Jahres hat auch den Tieren zugesetzt und sie wird in den kommenden Jahren noch zu nehmen.

Wir müssen es also ganzheitlich angreifen. „Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wäre nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt“. (die Ärzte)

Tun wir nichts, ist das als würden wir auf einen Lottogewinn hoffen. Nur wäre es dann auch praktisch, wenn wir überhaupt Lotto spielen würden.
Also wir müssen etwas tun. In Bayern könnten wir für ganz Deutschland mit einem erfolgreichen Volksbegehren auch ein Exempel setzen.
Aber auch jeder zu hause kann etwas tun. Denn beanspruchen 4% unserer Fläche in Deutschland Gärten. Wenn wir statt der Steinwüsten, die nur mit Chemie wirklich pflegeleicht sind, einfach wieder einen Lebensraum für die Tiere schaffen würden, dann haben wir auch schon mal einen Schritt getan.

Auch können wir in gewissen Maßen Korridore schließen, die durch extensive Landwirtschaft und Flächenfraß zu groß werden. Korridore zu schließen ist wichtig. Beispiel: Manche Wildbienen, viele von ihnen auf der roten Liste, haben oftmals im Gegensatz zu Honigbienen nur einen kleinen Radius, der ihnen Lebensraum bieten muss. Das kann teilweise auch mal nur 200m betragen. Das heißt: sind auf diesen 200m Flugradius keine Nistmöglichkeiten, Nahrung und Wasser, dann haben sie wenig Chancen zu überleben, erstrecht, wenn hier noch mit Pestiziden oder Insektiziden gearbeitet wird. So entstehen Inseln mit Lebensräumen, die nicht miteinander verbunden sind. Nur: möchte man ihnen nun Lebensraum bieten und gestaltet deshalb Gärten um, legt Biotope an etc, dann können sie sich hier nicht ansiedeln, wenn ihre Insel, auf der sie sich befinden, zu weit davon entfernt ist. Sie sind dann auf ihren Lebensrauminseln gefangen, können neue Lebensräume nicht erreichen und sich so auch nicht vermehren. Wir müssen diese Lebensräume miteinander verbinden, die sogenannten Korridore schaffen. Das können wir zu einem kleinen Teil auch zu hause tun.

Wie?


Auf diesem Bild blüht Akelei und auch Zwiebeln dürfen ausblühen.
Die Blüten der Zwiebel oder auch des Kümmels (rechts) sind beliebte Insektenweiden.
Generell mögen sie gerne blühende Gemüse- oder Kräutersorten.

Schafft Lebensräume, verabschiedet auch von Steinwüsten, den sogenannten „Gärten des Grauens“, verzichtet auf Chemie vor Eurer Haustür, lasst auch mal den Garten etwas natürlicher. Ein bisschen Laub ist keine Schande. Und überdüngt nicht. Viele wichtige Blumen und Pflanzen für die Insektenwelt wollen einen kargen, möglichst nährstoffarmen Boden. Und das muss im Übrigen nicht hässlich sein. 
Schafft Lebensräume! -  ist sehr abstrakt gesagt! Deshalb würde ich Euch gerne das Prinzip eines Hortus nahelegen. Das ist ein Drei Zonen-Garten, der viele Module zum Artenschutz bereit hält wie einen Käferkeller, eine Steinpyramide, Totholz, Pfützen, Sandarium etc. besteht. Man kann das sogar unheimlich schön gestalten.  Es ist ein richtiges Hortus-Netzwerk entstanden.

Viele Tipps und genau Anleitungen findet Ihr auf der Seite des Hortus-insectorum.de und ich möchte Euch da sehr, die Minitipps ans Herz legen. Denn einige davon sind sehr leicht auch in einem kleinen Garten umzusetzen.

Erkennungsmerkmal eines Hortus (lateinisch für Garten) ist mittlerweile die Steinpyramide. In ihr finden Insekten und Käfer Schutz. Sind sie größer, finden auch Reptilien Lebensraum. Gerne sitzen darauf auch Vögel oder Schmetterlinge genießen den warmen Platz in der Sonne.

Aber auch öffentliche Plätze oder Firmengelände kann man toll gestalten.

Der Naturgarten.ev hat dazu ein paar tolle Imagefilme aus Youtube erstellt.

Interessant war dabei auch die Aussage einer Schulleiterin, dass die Kinder seit der Umgestaltung des Pausenhofs zu einem Naturgarten wesentlich entspannter sind, aggressive Kinder wieder runter kommen und die Kinder deutlich lernbereiter sind. Auch am Gymnasium Herzogenaurach führt die Schule seit sie den Naturgarten haben die besseren Leistungen im Durchschnitt, aber auch im Abitur auf den als Naturgarten angelegten Pausenhof zurück. Folglich tut das auch uns Menschen gut!

Aber auch wer keinen Garten hat, kann etwas tun. Vielleicht habt Ihr einen kleinen Balkon? Auch diesen kann man insektenfreundlich gestalten. Stellt Euch vor, statt der Betonwüsten, wären die Balkone oder gar Dächer begrünt. Das ist großes Potential an Lebensraum!

Einen tollen Blog zu einem wilden Balkon mitten in der Großstadt München hat die Journalistin  Katharina Heuberger: Wilder Meter.

Eine weitere tolle Seite bietet der Biologe Werner David mit seiner Homepage naturgartenfreunde.de. Auch hier bekommt ihr tolle Tipps, Hintergrundinfos und Ideen mit besonderem Schwerpunkt zu Wildbienen. Wildbienen bieten uns Menschen keinen Honig und haben deshalb keine Lobby. Ihnen geht es aber weitaus schlechter als den Honigbienen, denn sie sind zum Teil sehr spezialisiert und brauchen nur eine bestimmte Pflanzenart, um zu überleben z.B. Glockenblumenscherenbienen.
Glockenblumen wachsen aber sehr gut nicht nur im Garten, sondern auch auf dem Balkon oder im Topf. Wichtig ist allerdings, dabei darauf zu achten, dass es ungefüllte Sorten sind, damit die Staubblätter für die Insekten gut zu erreichen sind. Das ist im Übrigens bei allen Pflanzen wichtig, die Ihr setzt, um den Arten zu helfen.

Da auch Brachflächen bei uns immer weniger werden, finden einige Wildbienenarten nur noch wenig Nistmöglichkeiten. Einigen Wildbienenarten kann man dagegen mit einem Insektenhotel Unterschlupf bieten.

Besonders lesenswert sind bei Werner David die Anleitungen für Insektenhotels. Denn die meisten im Handel erhältlichen sind leider nicht wirklich geeignet für Wildbienen. Er zeigt aber, wie es geht.
Wenn Euch Wildbienen noch mehr interessieren, dann kann ich Euch die Seite vom Wildbienen-Experten Paul Westrich empfehlen:
wildbienen.info
Was ich damit sagen will: Wir können auch direkt vor der Haustür damit anfangen, etwas zu tun. Klar, sind große Aktionen wie das Volksbegehren  unheimlich wichtig und unterstützenswert. Aber wir sollten auch das Potential zu hause und direkt vor unserer Haustür nutzen. Eigentlich jedes Potential. Und gerade mit der "eigenen Haustür" kann man ein Zeichen setzen. Und da sie ja oft gesehen wird, auch Vorbild und Inspiration sein. Denn vielen ist gar nicht bekannt, dass ein wilder Balkon auch schön sein kann und wieviel nützlicher das gerade aktuell für unsere Umwelt ist, auf die wir zu 100% angewiesen sind.