Warum denn nicht reparieren?

Viele von Euch haben und wollen kein Facebook, wo wir oft mal Diskussionen oder Gedanken mit Euch teilen. Einige haben uns geschrieben, die das schade fanden und fragten, warum wir das nicht auch einfach hier auf dem Blog tun. Deshalb dieses Mal kein typischer Blogeintrag, sondern einfach nur die Frage: Warum denn nicht reparieren?
"Da musst Du Dir was neues kaufen!"
Muss ich?
Bei meinem Fahrradanhänger hat sich durch das Fliegennetz anfangs nur der kleine Finger meines laufenden Meters namens Vincent durchgebohrt. Mittlerweile passt der ganze Kerl durch und der Sinn des Netzes stand in Frage.
Aber warum heißt es dann sofort "neu kaufen"?
Warum sagt man nicht: Das muss man flicken?
Weil es nicht perfekt aussieht?
Oder ist #reparieren so außerhalb unsere Art zu Denken gekommen?
Man kann ja noch nicht einmal behaupten, dass es aufwendiger wäre. Das schnell zu reparieren hat 10 Minuten gekostet. Genauso lange oder länger würde man brauchen, um es neu zu kaufen.



 
Sind wir schon zu sehr in der Wegwerfgesellschaft gelandet oder etwa zu reich, dass wir gar nicht mehr auf die Idee kommen zu reparieren?  
 




Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Elisabeth, 12.06.2018 um 08:07 (UTC):
Ich denke, es fehlt auch viel Wissen, wie man repariert. Für mich gesprochen: meine Mutter hat gern und gut genäht und konnte auch viele Kleidungsstücke reparieren. (Sie hat, ganz Kriegskindgeneration, auch noch eine Menge Restchen, Bündchen, Krägen etc. aufgehoben, immer mit der Idee, dass man es noch brauchen kann. Einerseits toll, andererseits: wo lagern, mit welchem System? Das ist ein Punkt, an dem ich regelmäßig scheitere... aber das ist ein anderes Thema ).Ich kann kleine Löcher flicken und aus Stoffresten Flicken machen und diese aufnähen, Ich tu mich aber schwer, einen Reißverschluss einzunähen, auch wenn ich es mal gelernt habe. Wenn ich das zum Schneider gebe (wie bei der Winterjacke meiner Tochter), kostet es 30-40 Euro.
Dafür bekommt man bald schon eine neue Jacke. Ich hab es in dem Fall trotzdem machen lassen, denn es gibt noch eine jüngere Schwester, die die Jacke sicher auch noch tragen wird. Andernfalls - ich weiß nicht.
Deshalb finde ich ja die Reparaturcafes klasse. Da kann man auch noch was lernen.

Kommentar von:14.06.2018 um 07:21 (UTC)
zerowaste
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Hallo Elisabeth,
ja, ich finde Reparatur-Cafés auch einfach goldwert. Das Angenehme ist da, dass man nicht nur gezeigt bekommt, wie man es machen kann, man darf auch oft die Werkzeuge verwenden oder kann einfach auch nur zum Fragen kommen. Ich kann auch (noch) keine Reißverschlüsse einnähen. Aber allein ein neuer hätte bei der Winterjacke von Daniel einfach nur an Material 18 Euro gekostet, dann noch Arbeitszeit und versiegeln, damit er wasserdicht bleibt. Eine Billig-Winterjacke hätte man dann zur Hälfte schon drin. Allerdings frage ich mich da schon, wie es sein kann, dass neue Jacken so viel weniger kosten. Wer verdient denn daran nicht? Es kommt ja die komplette Arbeitszeit und das restliche Material für die Jacke dazu und die Händler wollen ja auch noch verdienen. Das kann ja nicht fair und ökologisch sein. Deshalb finde ich es klasse, dass Du bei der Jacke Deiner Tochter dich doch noch für das Reparieren entschieden hast. Hut ab! Bei der Jacke von Daniel stellte sich übrigens heraus, dass der Schneider den Reißverschluss reparieren konnte. Der hat unten eine neue Naht gemacht und das Schiffchen (heißt das so?) zurecht gebogen hat. Jetzt geht er wieder und hat 8 Euro gekostet. Fand ich cool, dass der Schneider das probiert hat. Wahrscheinlich hätte er mit dem Einziehen eines neuen Reißverschlusses mehr verdient.
Liebe Grüße
Stefanie

Kommentar von Jessica , 14.06.2018 um 20:03 (UTC):
Hallo,
Ich versuche auch so gut wie möglich zu reparieren anstatt neu zu kaufen. Schon als Teenie habe ich meine geliebten Lederboots mehrmals zum Schuster zur neu Besohlung gebracht. Heute mache ich das auch bei meinen Kletternschuhen-:) Mangelndes Wissen ist bei mir definitiv ein Hindernisgrund, auch wenn ich Inzwischen etwas nähe. Wie hast du das Fliegennetz repariert? Würde mich sehr interessieren. Und danke für eure Tipps, immer wieder schön, hier reinzuschauen.
LG Jessica

Kommentar von:15.06.2018 um 18:16 (UTC)
zerowaste
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Hallo liebe Jessica,
danke für deinen lieben Kommentar. Ja, Schuhe reparieren ist auch so eine Sache. Bei einigen lässt der Stoff das gar nicht zu, so dass es sich nicht wirklich lohnt. Ich habe mir nun Halbschuhe gekauft, bei denen mir das Schuhgeschäft garantierte, dass man sie langlebig wären und man sie auch reparieren könne und würde, falls z,B. die Sohle das Zeitliche segnet.
Ich habe das Fliegennetz wirklich nur mit Nadel und Faden zusammen genäht. Von weitem sieht man gar nicht, dass der Weißton nicht haargenau der Gleiche ist. Aber einen anderen hatte ich nicht und die Naht sieht man ja ohnehin. Einen besonderen Stich habe ich nicht verwenden. Habe es einfach Loch für Loch zusammengewurstelt .
Liebe Grüße Stefanie

Kommentar von Rike Neukirch, 19.06.2018 um 11:48 (UTC):
Also, dass man auch mal neben Facebook diskutiert, finde ich eine gute Idee. Ich werde eure Diskussionen hier auf jeden Fall unterstützen.
Ich glaube, für die meisten ist es einfacher und aufregender etwas neues zu kaufen. Man belohnt sich und wird gleichzeitig allen alten Schrott los. Wenn man etwas repariert, sieht etwas gleich immer ein bisschen schäbig aus. Aber klar, es spart einem einfach Geld, etwas zu reparieren und man hat eine Bastel-Beschäftigung für schlechtes Wetter. Mein Sohn hat mal die Tür von seinem Wandschrank mit einem Fußball kaputt geschoßen. Dann mussten wir diese ersetzen, was farblich allerdings nicht ganz gepasst hat. Also haben wir einfach so einen riesigen Aufkleber auf die Tür geklebt. Und schon hat man den Unterschied fast gar nicht mehr gesehen Allerdings haben wir nur die Rakete aufgeklebt, ohne den Kreis außenrum: https://www.myfolie.com/de/zuhause/
LG Rike

Kommentar von:19.06.2018 um 15:11 (UTC)
zerowaste
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Hallo liebe Rike,
freut mich, dass Du bei den Diskussionen dabei sein wirst !!:)
Ich finde Deine Feststellung, dass bei Reparaturen es auch gleich immer etwas schäbig aussieht interessant. Der Gedanke kam bei uns nämlich auch schon auf. Als ich jetzt beim Radanhänger mir das Endresultat angesehen habe, war ich mir nicht sicher, ob das vielleicht als schäbig angesehen werden könnte. Klar, man sieht, dass es repariert wurde. Allerdings dachte ich mir, wie lange brauche ich tatsächlich noch das Fliegennetz im Anhänger. Ein Jahr? Danach fährt Vincent vielleicht schon selbst mit dem Laufrad mit. Für diesen kuirzen Zeitraum und auf die Gefahr eines weiteren Bohrmaschinen-Fingers- Einsatzes hin habe ich dann auf das Perfektaussehen verzichtet.
Schäbig kann es auch schnell bei Flicken an den Hosen oder Jacken aussehen, wobei die Flicken tatsächlich zwischenzeitlich modisch waren (ich glaube vor drei Jahren) und zerrissene Hosen kommen und gehen ja auch mit dem Trend. Da kommt es vielleicht auch darauf an, wie gut es gemacht ist und ob man es mit Würde trägt. Bei Möbelstücken ist das so eine Sache. Da kann man entweder die Einstellung haben: "Wenn ich das den ganzen Tag sehen muss, dann stört mich das!" oder man hat die Einstellung "Möbel erzählen eine Geschichte. Je älter sie sind, desto spannender sind sie." Das ist wahrscheinlich auch wieder eine Einstellungssache. Ich finde es ziemlich cool, dass Ihr Euch so unkonventionell bei Eurer Schranktür beholfen habt. Sie erzählt nun auch einen kleinen Schwank aus der Kindheit Eures Sohnes .
Liebe Grüße Stefanie

Kommentar von Susann, 24.06.2018 um 20:00 (UTC):
Ja warum nicht reparieren?
Bei uns ist seit geraumer Zeit mein Wassersprudler defekt-ich selber trinke nun Leitungswasser. Mich stört es nicht, aber die lieben Kleinen wollen mit Blubber trinken (ich weiß daß das nicht soooo gesund ist, aber besser so als gar kein Wasser).
Zurück zum Thema: ich kaufe wieder Wasser in Glasflaschen
Und warum das ganze? Es gibt von dem Hersteller des Gerätes weder einen Lösungsansatz in der Bedienungsanleitung geschweige denn Ersatzteile. Also was soll ich nun mit dem Teil machen? Ich bin jetzt handwerklich nicht besonders geschickt (zumindest bei dieser Art Reparatur), unbenutzt steht mir das Ding im Weg Rum und wegwerfen will ich es eigentlich auch nicht.
Bei uns gibt es hier in der Nähe auch (noch) kein Reparaturcafé...

Und zu eurem Reißverschluss Thema...
Ich nähe unsere komplette Kleidung mittlerweile selber. Ich kann euch sagen, bevor jemand nen Reißverschluss aus einer Jacke trennt und einen neuen reinnäht, versucht er den ganz automatisch erst zu reparieren

Kommentar von:29.06.2018 um 07:37 (UTC)
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Hallo liebe Susann,
wow! Du nähst Eure komplettem Klamotten selbst! Hut ab! Da kann man dann wahrscheinlich auch richtig gut upcyceln und die Kleidung wird mit Sicherheit auch mehr geschätzt, wenn man weiß, wieviel Arbeit dahinter steckt! Tolle Sache! Ich stehe da erst am Anfang, sehe aber, gerade bei Reparaturen von Klamotten, dass viel mit wenig Wareneinsatz möglich ist, abgesehen von einem neuen teuren Reißverschluss. Aber offensichtlich kann man den ja sehr oft reparieren. Ich werde mir dazu, damit ich das dann auch selber kann, mal ein Youtube - Tutorial bei Bedarf reinziehen :-).
Was Ersatzteile angeht, haben wir wirklich bei manchen Produkten ein Problem. Die Ersatzteile bekommt man gar nicht oder sind extrem teuer, damit es sich nicht rentiert. Schließlich hat der Hersteller ja mehr davon, wenn man das ganze Produkt neu kauft. Ich habe das gerade bei einem medizinischen Gerät in einer großen Klinik mitbekommen. Das wurde nach Afrika verschickt, weil der Hersteller keine Ersatzteile mehr heranschafft. Die Klinik kaufte sich ein neues Gerät und spendete es. Manchmal frage ich mich nur, warum man ein solches kaputtes Gerät dann spendet. Was sollen die damit? In Afrika kennt man offensichtlich das Problem mit nicht lieferbaren Ersatzteilen und da wird versucht zu reparieren, was geht. Ich habe neuerdings auch von einem afrikanischen Startup gelesen, die mit Hilfe eines 3D-Druckers neue Ersatzteile bilden und die Elektronik händisch hinzufügen.
Aber zurück zum Wassersprudler: Was fehlt denn da? Hast Du dem Hersteller schon mal einen "Ich bin enttäuscht"-Brief geschrieben?
Herzliche Grüße sendet Dir
Stefanie

Kommentar von Susann, 17.07.2018 um 19:13 (UTC):
Hallo Stefanie,
das mit dem Brief ist eine gute Idee. Das werde ich direkt in Angriff nehmen.
Ich habe leider keine Ahnung, was da fehlen bzw.kaputt sein könnte. Da ja eine Ersatzteilliste nicht existiert und in der Beschreibung steht auch nur, läuft ihr Gerät beim Sprudeln aus, füllen sie weniger Wasser ein
Ja da bin ich auch selber drauf gekommen.
Ich vermute eine kaputte Dichtung im Innenleben des Sprudelstraße, aber sicher kann ich es nicht sagen.
Wie gesagt ich schreibe denen mal, bin gespannt ob eine Reaktion kommt.

Ja das ist echt total verrückt, wir geben kaputte Geräte nach Afrika und die bekommen es hin, die Geräte wieder zum laufen zu bringen...
Was für eine Gesellschaft! So auf sämtliche Ressourcen zu pfeifen. Da kann man nur den Kopf schütteln.

Naja, das mit dem Nähen ist kein großes Ding. Jeder hat ein oder mehrere Talente. Mir macht das Spaß und die Kleidung wird wert geschätzt und ist zudem noch individuell.
Ja, upcycling ist auch ein großes Thema bei mir.
Bettwäsche und alte Jeans werden bspw.tolle Hosen und Taschen. Und eben diese Taschen sind wunderbare Geschenke zu allen möglichen Anlässen

Vielen lieben Dank nochmal für den Tipp mit dem Brief-ich werde berichten.
Liebe Grüße Susann



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