Upcycling Fußmatte


 
Ist es matschig und regnerisch freue ich mich jedesmal wieder über diese Fußmatte. Die haben wir selbstegemacht als kleines Gemeinschaftsprojekt. Alte T-Shirts, die zu abgetragen, um sie weiterzugeben waren und ein kaputtes Laken waren das einst mal und haben nun einen neuen Zweck.
 
Wir haben sie zu diesem Zweck in Bahnen zerschnitten und dann wieder zusammengehäkelt. So sieht man weder Löcher noch Flecken.
Anfangs haben wir mit der Schere einfach Reihe für Reihe geschnitten, mittlerweile wissen wir, wie es leichter und schneller geht und zwar so:

Trotzallem sitzt man schon eine Zeit lang da, um sich mal eben eine Fußmatte zu machen. Bei Schneewetter mit Hörspiel an einem Abend war es aber ganz gemütlich und ein schönes Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben, was man auch gebrauchen kann und wofür keine weiteren Ressourcen aufgewandt wurden. Und das eigentlich auch noch für lau. Wenn man bedenkt, dass man dafür 15 Euro aufwärts zahlen darf.
Als wir uns damals entschieden haben, die Abtropfmatte selbst zu machen, waren aber nicht einmal das der ausschlaggebende Grund. Wir standen im Baumarkt, hatten sie aus Kunststoff vor uns und sie dünsteten extrem aus, um nicht zu sagen: sie stanken. Ok, vielleicht lüften sie irgendwann aus. Option 2: waschen. Aber wenn man sie wäscht, entsteht Mikroplastik und möglicherweise sind auch Schadstoffe der Grund für die Ausdünstungen. Brauche ich das in meiner Wohnung? Ne. Es heißt ja, dass man sich dabei auf die Nase verlassen soll. Die Nase hat entschieden und uns Arbeit eingebrockt, die aber dann echt ok war und ich freue mich jedes Mal darüber.
Gleichzeitig freue ich mich aber auch über Folgendes, wenn ich die Fußmatte sehe:
Ich kann sie waschen, weil sie aus upgecycelter Baumwolle war ohne Bedenken wegen Mikroplastik, das auf mein Konto geht, zu haben. Aber am meisten freue ich mich darüber, dass ich nicht alles selber machen muss. Als wir uns dazu entschieden, die Matte selbst zu machen, dachten wir: muss man schon Sachen selbst machen, damit man sie nicht ausdünsten, schwer recycelbar sind und ggfs. Mikroplastik entsteht? Nähe ich demnächst die Klamotten selbst, auch wenn ich es nicht richtig kann und mir nicht soooo viel Spaß macht? Ein paar wenige Male, wäre das ja ok, aber grundsätzlich und dauernd würde ich das als Belastung empfinden.
Der Gedanke war einige Tage präsent, aber die Antwort kam nach und nach: Ich sah in der Zeit, wie eine Bioladenkette nach und nach und in schnellen Schritten auf Enkeltauglichkeit zu steuerte. Erst gab es nur das ganze Gemüse offen und die Frischetheke akzeptierte selbst mitgebrachte Gefäße, wogegen sie sich ein paar Monate vorher vehement gesträubt hatten. Dann kamen auch noch waschbare Beutel aus Naturfaser hinzu, waschbare Taschentücher, Servietten, Damenbinden und eine Abfüllbar hinzu. Ein weiterer Bioladen führte den Tasche ein, die aus upgecycelten Baumwollstoffen von Gardinen oder Tischdecken genäht wurde, die man auch spenden konnte. Eine Bekannte machte sich selbstständig und näht  nun Klamotten unter Anderem aus alten Jeans und T-Shirts zu neuer Kleidung.
Ich muss also nicht alles selbermachen, auch wenn einem das mal so vorkommen mag. Es muss ja machbar bleiben und sein. Wir haben in dieser Gesellschaft eine große Freiheit. Wir können sehr oft wählen, was wir machen wollen und was wir nicht machen wollen. Die Abtropfmatte wollten wir selber machen, die Kinderkleidung nicht, zumindest selten. Vieles an Kinderkleidung bekomme ich second hand, nicht alles. Manches muss ich neu kaufen, aber immer mehr Unternehmen schwenken um und kleine Startups tun sich auf und orientieren sich an einem Rohstoffkreislauf. Diese Gesellschaft hat einen großen Pool an Talenten und Fertigkeiten. Wir müssen sie nur richtig einsetzen. Dafür bin ich dankbar. Auch für die Freiheit die Wahl zu haben. Ich habe oft die Wahl beim Konsumieren. Und gleichzeitig habe ich auch oft die Freiheit, nicht zu konsumieren. Es ist unglaublich, was man alle nicht kaufen kann.

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