Ollas - der Wasserspeicher für das Beet

16.06.2019 Einige haben es vielleicht mitbekommen, dass wir unseren kleinen Garten samt Balkon auch dafür nutzen, uns eigenes Gemüse und Obst zu ziehen. Natürlich reicht das bei einem 100 Quadratmeter Garten nicht für die Selbstversorgung, aber es leistet einen kleinen Beitrag, damit man sich leichter Bioprodukte leisten kann und außerdem einen kleinen Beitrag für die Artenvielfalt, da wir auf samenfeste, regionale und teilweise auch auf alte Sorten setzen. Und nebenbei ist das Ganze auch noch unverpackt und sehr regional. Es wurde auch nicht mit dem Auto oder LKW, einem der größten "Mikroplastiklieferaten" transportiert.
Trotzdem soll das Gärtnern noch Spaß machen und nicht in Arbeit ausarten, die dann noch belastet.
Das war aber mit dem Gießen schon so eine Sache. Teuer kam es eigentlich nicht, weil bis vor zwei Jahren auch noch die Zisterne mit dem Regenwasser ausgereicht hat. Mit den trocknen Sommern, die sich laut Prognosen aber nun alle fünf Jahre häufen sollen und generell wärmer werden, ist das Gießen schon eine tägliche Zusatzaufgabe.
Und das wollten wir gering halten. Der Boden wird eigentlich eh schon gemulcht, da wir versuchen den Garten im Hortusprinzip zu gestalten, so dass hier bestensfalls ein naturnaher Kreislauf entstehen kann. Mittlerweile sind wir mit Mulchwürsten sehr zufrieden, da man sie leicht anheben und darunter die Schnecken absammeln, was man bei normalen Mulchen nicht flächendeckend und dauerhaft umsetzen kann, weil das einfach im Vergleich Zeit und Arbeit in Anspruch nimmt. Seit diesem Jahr setzen wir auch auf Ollas und so sehen sie aus:

 
Die Ollas sollen schon von den Inkas benutzt worden sein und werden "Ojas" ausgesprochen. Sie bestehen aus porösen Ton, der nicht glasiert ist und bei relativ niedriger (ca 900O C) Temperatur gebrannt wurde. 
Leider habe ich die Tongefäße als ich Ende letzten Jahres mir dazu Gedanken gemacht hatte, nur in Frankreich zu bestellen gefunden. Da ich es regionaler wollte, musste meine arme Schwester dran glauben. Sie ist nämlich Töpferin und ist meine fixen Ideen gewöhnt. Ersteinmal möchte ich Euch zeigen, wie das Prinzip funktioniert.
Die Gefäße werden ins Beet eingegraben.

Und zwar bis knapp unterhalb der Öffnung. Danach füllt man die Ollas mit Wasser, am besten natürlich Regenwasser.
Mehr braucht es eigentlich nicht. Jetzt gibt der Tontopf durch das Prinzip der Osmose Wasser an die Umgebung ab. Besonders viel wenn es trocken wird. Grund: die Wasserkonzentration ist im Topf (sofern er gefüllt ist ) höher, so dass aufgrund dieses physikalischen Prinzips nach und nach Wasser durch die Wand des Tontopfs an die Erde abgegeben wird und somit auch an die Pflanzen. Deshalb ist es auch wichtig, dass der Topf nicht glasiert oder so hoch gebrannt ist, dass er wasserundurchlässig ist. Man spricht von einem porösen Tontopf.
Nicht alle Tontöpfe sind porös. Man kann also nicht jeden x-beliebigen Keramikübertopf als Ollas verwenden.
Was schon funktioniert sind, sind diese rotbraunen Tontöpfe mit Loch, die es in jedem Baumarkt gibt. Ich habe Anleitungen dazu im Netz gefunden, wie man diese, indem man sie aufeinanderstellt und mit eine Stein unten dicht macht, kostengünstig als Olla umfunktionieren kann. Allerdings mit Hilfe von Silikonen. Deren Bausteine Siloxane galten laut österreichischen Umweltbundesamt lange Zeit als unbedenklich, "allerdings gibt es Hinweise auf gefährliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. (...) Für den Menschen galten diese Substanzen lange als toxikologisch unbedenklich, allerdings lässt sich das nicht mehr uneingeschränkt behaupten: Es gibt nur einige Siloxane, für die es durch Tierversuche (an Ratten) Informationen zu Gesundheitseffekten gibt; es sind daher nicht genügend Daten vorhanden, um allgemein gültige Aussagen treffen zu können. (...) Auch die Daten zur Umwelt-Gefährdung durch Siloxane sind spärlich und beruhen teilweise nur auf Modellen. Dadurch ist die Abschätzung möglicher Gefahren für die Umwelt schwierig. Es ist aber davon auszugehen, dass insbesondere die zyklischen Siloxane besonders langlebig sind, was ihnen die Möglichkeit gibt, auch weite Strecken zu überwinden. Außerdem können sie sich in biologischem Gewebe anhäufen, was beispielsweise beim Kabeljau bereits nachgewiesen wurde. " (https://www.umweltbundesamt.at/umweltsituation/schadstoff/silox/)
Es gibt mittlerweile einige Siloxane, die als fruchtschädigend, krebserregend und gefährlich von der EU eingestuft werden, bei anderen fehlen die Untersuchungen dazu. Grundsätzlich möchte ich diese nicht in der Erde haben, da sie nicht abgebaut werden und wir können sie auch aktuell nicht mehr herausfiltern. Ein weiterer Grund war: Nanoplastik kann von den Pflanzen auch in die essbaren Teile eingebaut werden und dann landet es wohlmöglich in meinem Essen oder meinem Körper oder dem eines Tieres. Ab 1 Mikrometer ist es möglich, dass Nanoplastik nicht nur ausgeschieden, sondern auch in die Zellen eingebaut wird und dort Entzündungen verursacht. (Quelle)
Diese Option die Ollas günstig selbst zu machen, fiel also leider aus. Ich schaffe es auch nicht komplett ohne Plastik auszukommen, aber wenn ich eine Möglichkeit habe, es zu vermeiden, tu ich das. Gottseidank bot hier meine Schwester eine Möglichkeit und setzte auch gleich praktische Überlegungen um.

Die Öffnung
Die Öffnung sollte nicht nur mit einem Schlauch, sondern auch leicht mit einer Gießkanne zu befüllen sein ohne dass die Hälfte des Wassers daneben geht. Hat man einen großen Garten, keinen Außenwasserhahn oder ist einfach auf freiem Feld, kommt vorallem die Gießkanne zum Einsatz.
Jetzt ist die Öffnung größer als bei denen, die aktuell auf dem Markt sind. Das bedeutet aber auch mehr Verdunstung und Insekten werden auf der Suche nach Wasser darin unweigerlich ertrinken. Und auch die Amseln würden mir den Mulch bei der Suche nach Regenwürmern sicherlich hineinschleudern, so dass bald eine stinkende Brühe entstehen würde.
Also musste ein Deckel her. 


Der Deckel
Der Deckel ist dicht gebrannt bei hohen Temperaturen und zusätzlich glasiert. Dadurch lässt er kein Wasser durch. Das soll auch so sein. Denn er wurde so konzipiert, dass er eine kleine Insekten- oder Tiertränke sein kann. Es wird sich also im Deckel Regenwasser sammeln, da er wasserdicht ist. Gibt man Steine, Moos oder Äste hinein, ist das Wasser für Insekten gut aufnehmbar. Einige Insekten haben einen Lebensraum im Radius von nur 200m und da sind diese kleinen Wasserstellen goldwert.

Der Boden
Die gängigen Ollas sind unten rund. Das ist unpraktisch, weil man sie im Winter frostsicher lagern muss, zumindest hier an den Alpen. Da die Ollas ja porös sein sollen, also Wasser aufnehmen, würde es bei Frost, wenn das Wasser zu Eis wird und sich ausdehnt, das Gefäß kaputt sprengen. Eine Olla mit einem geraden Boden kann ich platzsparend ins Regal stellen, wie ein Vase, eine Olla mit runden Boden würde da umfallen und muss gut verpackt werden, damit sie bei der Lagerung nicht zu Bruch geht.

Was bisher herauskam:
Einstweilen funktioniert das ganz gut. Die Wurzeln wachsen in Richtung Olla, wo sie ja mit Wasser versorgt werden. In Kombination mit einer dicken Mulchschicht muss man weniger bis sehr wenig gießen. Die Olla versorgt die Pflanzen direkt bei den Wurzeln mit Wasser. Ob man komplett auf das Gießen verzichten kann, hängt von der Temperatur, den Niederschlägen, der Anzahl und Größe der Ollas, dem Wasserbedarf der Pflanzen und der Dicke der Mulchschicht ab. Aktuell muss ich aber weniger gießen, was mir Zeit und Arbeit erspart. Außerdem bin ich ein Kandidat dafür, auch mal zu wenig zu gießen...aus diversen Gründen , so dass die Pflanzen vertrocknen.
Aber ihr wisst ja: Meine Pflanzen sind nicht vertrocknet, sie wachsen nur knusprig .

Vertrocknet ist bisher nichts im Gemüsebeet, was ungewöhnlich ist bei mir, und was ich zudem der Olla zuschreibe. Das System könnte also nicht nur für Leute, die Wasser sparen wollen interessant sein, sondern auch für diejenigen, die ihren Garten nicht vor Ort haben, wenig Arbeit haben wollen oder auch für Schulen, Kindergärten oder andere Initiativen, die über das Wochenende oder Feiertage niemanden im Schulgarten zum Gießen haben. Oder einfach auch für den Urlaub oder für die Zukunft, um sich dem Klimawandel anzupassen.
Ich werde das aber noch weiterhin testen. Die Inkas wussten schon, wie man praktisch gärtnert! Mittlerweile habe ich übrigens gesehen, dass in Deutschland online seit ein paar Wochen auch Ollas verkauft werden, allerdings mit einem Plastikdeckel ohne Insektentränke und mit runden Boden. Aber immerhin.
 
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