Insektentränken

  - DIY statt gekauft und nicht mehr gebraucht -
07/2018
Es ist gerade Trend eine Insektentränke bei dieser Dürre aufzustellen. Und die soll natürlich auch stylisch sein. Eine schicke Schüsseln mit schön anzusehenden Murmeln ist der neueste Schrei. Murmeln erleben dadurch wieder eine neue Hochsaison.
Ich möchte Euch heute aber zeigen, wie man ohne Neukauf und umweltbelastende Neuproduktion von Murmeln sehr leicht, einfach und wahrscheinlich sogar ohne Kosten eine insektenfreundliche Tränke herstellen kann.
Die Variante mit der Murmel ist zwar schick ohne Frage, aber nicht unbedingt tierfreundlich. Die Murmeln sind viel zu glatt und rutschig, sie werden zu heiß und wirken wie ein Brennglas. Größere Tiere können die Murmeln zudem als Futter verwechseln und verschlucken.

Und so könnt Ihr eine insektenfreundliche Tränke erstellen:
Eine Insektentränke könnt Ihr ganz einfach mit einer flachen Schale (Küchenschrank, Blumentopfuntersetzer, Deckel etc. die ihr schon habt, erstellen. Ist sie flach, können auch Igel und andere Kleintiere an ihr trinken. Ansonsten geht auch eine höhere Schale, die ihr schon habt.
Sammelt ein paar Steine, säubert sie ein bisschen und füllt sie in Eure Schale. Dann gießt Wasser auf und zwar so viel, dass die Steine noch herausschauen und die Insekten hier trocken landen können. Über die Steine tasten sie sich dann sicher ans Wasser zum Trinken.
Habt ihr recht glatte Steine gefunden, bei denen ihr befürchtet, dass die Tiere auch hier abrutschen können, könnt ihr ein paar Zweige, Äste oder Reisig oben auf die Steine legen. Auf diesen meist recht rauen Stengen haben die Insekten eine gute Möglichkeit zu landen und zu trinken.
Eine weitere gute Variante ist es, etwas Moos mit hineinzugeben. Das Moos saugt sich mit Wasser voll. Hier nuckeln gerne einige Insekten.
Wer es noch etwas schicker haben will und noch Muscheln vom Urlaub oder vom Basteln über hat, kann auch diese für die Tränke verwenden.
Ihr müsst also eigentlich nichts für eine insektenfreundliche Tränke ausgeben, nichts neu produzieren lassen und macht es automatisch richtig.
Die minimalitischen Zero Waster unter Euch werden vermutlich fragen: Brauche ich das, das ist doch alles nur Trend?
Die Frage ist durchaus berechtigt. Es ist kein Muss, aber nicht schlecht für die Umwelt, wenn man die Tränken hat bei dieser Dürre. Insekten trinken nicht nur, sondern brauchen auch für den Nestbau Wasser. Leider steht das in der stark und einseitig genutzten Landwirtschaft und in sehr vielen Gärten nicht mehr zur Verfügung. Ein Teich ist zeitaufwendig, wenn er nicht groß genug ist, um ein natürliches Gleichgewicht selbst zu halten. Nicht allzu viele haben einen ausreichend großen Garten oder überhaupt einen Garten. Die Flächen werden immer mehr versiegelt und die Strecken dadurch immer größer, die die Insekten zurücklegen müssen, um Nahrung und Lebensraum oder eben Wasser zu finden. Das zehrt an den Kräften, der eh schon gefährdeten Spezies. Haben sie zu wenig Lebensraum und dazu gehören auch geeigneten Wasserstellen, ziehen sie weiter, werden weniger oder sterben schlimmstenfalls in der Gegend aus. Sie dann wieder anzusiedeln ist schwierig. Man sieht das z.B. an einigen Schmetterlingsarten, die man versucht in manchen Gegenden wieder anzusiedeln. Es ist zwar nett, wenn man ihnen den Lebensraum samt Futterpflanzen für die Raupen und Nektarspender für die Falter wieder bereit stellt. Sind die Tiere aber in einem gewissen Bereich nicht mehr zu finden, hilft auch das nichts mehr. Man spricht davon, dass die Korridore geschlossen sind. Die Tiere schaffen es nicht mehr in diese Gegenden, sie erreichen sie nicht mehr, weil auf der Strecke dorthin keine Nahrung und passender Lebensraum zu finden ist. Interessant zu wissen ist auch, dass z.B. manche Wildbienen Arten nur Strecken um die 100m fliegen. Diese geschlossenen Korridore muss man erst mit viel Aufwand wieder öffnen. Das bedeutet, man muss über große Flächen, die natürlich miteinander verbunden sein müssen, über einen großen Zeitraum wieder den Lebensraum herstellen bis die Tiere sich wieder soweit vermehrt haben, um dort anzukommen.
Wir haben schon viel zu viel geschlossene Korridore.
Deshalb ist es nicht schlecht, wenn einige Menschen auf ihren Balkonen, vor der Haustür oder im Garten solche Tränken aufstellen. Natürlich ist es noch besser ein Biotop oder Hortus zu haben, aber das ist nicht jedem möglich. Aber so eine kleine Tränke können doch einige aufstellen.
Natürlich ist das nicht alles, was einen Lebensraum ausmacht. Aber stellt Euch mal vor, auf sämtlichen Balkonen wären insektenfreundliche und heimische Pflanzen angebaut und eine solche Schale würde da stehen. Es würden keine Pestizide oder Fungizide gesprüht  und manche würden auch einen kleinen Bereich für Gestrüpp z.B. mit Hohlstengeln zum Nisten von Wildbienen stehen lassen. Das wäre in der Summe schon eine ganze Menge Lebensraum. Also wesentlich mehr als jetzt.
Zero Waste zielt auf eine Kreislaufwirtschaft ab. Zu diesem Kreislauf gehören u.a. Rohstoffe, die Natur und damit auch Wildtiere. Diese Wildtiere sind vielleicht nicht ganz so putzig wie eine Katze, weil man sie nicht streicheln und mit ihnen kuscheln kann. Aber sie sind wichtig, damit der Kreislauf erhalten bleiben kann.
Und da wir Menschen Lebenraum für uns verbuchen, in vielen Städten immer mehr und sogar zu viele werden, sind für uns Menschen zu wenig Wohnungen da. Bestes Beispiel ist München und Umgebung. Wir bauen und das möglichst schnell und versiegeln Flächen in einem nie da gewesenen Tempo. Aber genau damit zerstören wir auch die Natur und den Lebensraum. Wir können aber auch ein kleines bisschen zurückgeben, in dem wir z.B. eine kleine Tränke aufstellen, den Balkon begrünen, auf Gifte zum Pflanzenschutz verzichten, auf heimische Pflanzen setzen und legen vielleicht sogar einen Hortus statt einem Kiesgarten mit Plastikrasen an.
Zu guter letzt: Wenn man die Schalen im Winter nicht mehr braucht, könnt Ihr der Natur die Materialien wieder zurückgeben und Euren Untersetzer etc. -wiederverwenden. Zero Waste setzt grundsätzlich nämlich auch bei der Frage an:
Was mache ich damit, wenn ich es nicht mehr brauche?
Wiederverwenden (Reusing), recyceln und kompostieren (rot) - alles Hilfssäulen von Zero Waste, um Müll zu vermeiden. Das hilft bei so mancher Kaufentscheidung und hat bei uns dafür gesorgt, dass wir andere Produkte gekauft haben oder eben erst gar nicht.





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