Heftumschläge ohne Plastik

- aus Papier oder Stoff - (Werbung – da Firmennennung)

Unsere Tochter kommt bald in die vierte Klasse, unsere ältester Sohn fängt im September mit der Schule an.
Manche, die uns auf Facebook folgen, haben es schon mitbekommen, dass wir es schwer hatten, Papierumschläge für die Hefte zu bekommen.
Drogeriemärkte führen sie nur aus Plastik, die Schreibwarenläden vor Ort gar nicht oder ließen sie auslaufen, so dass man nicht mehr alle in der gewünschten Größe oder Farbe bekommen könnte.

Warum führten die Geschäfte keine Heftumschläge aus Papier?
Die erste Begründung: es sei nicht mehr gefragt. Die Schulen würden außerdem ausdrücklich auf ihren Schullisten Plastikumschläge fordern.
Auf unserer Schulliste war das zumindest nicht (mehr?) so! Von der Schule aus bekamen wir sogar einen Flyer, wie man seinen Schulbedarf umweltschonend zusammenstellen kann und da wurden Papierumschläge ausdrücklich erwähnt!
Zweite Begründung: sie halten nicht so lange.
Dieses Argument unterschreibe ich nur halb. Wenn ich mein Getränk darauf ausschütte, schützt der Plastikumschlag vermutlich besser, außer man schüttet es gleich richtig aus, dann nützt auch das nichts und das Heft durchweicht. Wobei ich persönlich es gut finde, wenn man Essen und Arbeiten trennt und das fängt eben auch schon bei den Hausaufgaben für die Schule an. Dann passieren solche Maleure auch nicht. Zweiter Nebeneffekt: man isst und trinkt bewusst, schlingt nicht, sondern kaut und nimmt das Essen bewusst wahr. Dadurch achtet man später auch eher als Erwachsener darauf, was und wieviel man isst. Das kommst auch der Gesundheit zugute. Macht man es nebenher, wird Essen und Trinken bedeutungslos, was es eigentlich aber nicht ist. Es ist eine Lebensgrundlage. Haben wir also Durst oder wollen etwas Essen, dann sollten wir uns dafür auch die Zeit nehmen und es genießen! Das haben wir uns auch verdient! Man kann also die Haltbarkeit der Papierumschläge deutlich verlängern, wenn man einfach Essen und Arbeiten trennt.

Wozu überhaupt Heftumschläge?
Aber eigentlich sind die farbigen Umschläge der Hefte auch nicht zwingend zum Schutz da, denn meist sind die Hefte schneller voll geschrieben als zerfleddert und viele Hefte haben mittlerweile auch einen starken Einband. Vor Eselsohren schützen die Umschläge, egal ob Papier oder Plastik eh nicht. Sie dienen vielmehr der Kennzeichnung. Weiß ist Deutsch, Mathe blau. Durch die Farben können sie auch Erstklässler, die anfangs noch nicht lesen können, unterscheiden. Die Kleinen tun sich auch leichter, sie schnell rauszusuchen.

Worauf sollte man bei Papierumschlägen achten?
Ein weiteres Manko der Papierumschläge ist, wie eben schon kurz erwähnt auch, dass sie schneller zerfleddert sind. Sie sehen nach zwei Jahren unansehnlich aus. Allerdings passiert das beim Plastikumschlag auch. Die Kanten sind abgewetzt, eingerissen und verbogen und ich kann mich an meine Schulzeit erinnern, dass ich nach zwei Jahren auch wieder einen neuen Ordentlichen auf Anweisung der Lehrerin besorgen musste.
Die Papierumschläge müssen aber nicht schneller unansehnlich sein. Sie gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Wir haben in ein paar Farben relativ dünne bekommen. Sie halten nur ca. zwei Jahre bei Grundschulkindern und wenns blöd läuft, noch kürzer.
Dann gibt es mittlerweile auch  Festere von einer kleinen, bayerischen Firma. Sie sind wesentlich stabiler, bestehen aus 100% Recyclingpapier und sind CO2 neutral, kobalt- und mineralölfrei gedruckt. Dass die Farben mineralölfrei sein sollten, es aber oft nicht sind, habt ihr ja bestimmt schon mitbekommen. Schließlich findet man in Recyclingpapier und in Papierverpackungen immer wieder Mineralölrückstände. Sie kommen oft von den benutzten Druckerfarben und können ins Lebensmittel übergehen. Das ist mitunter ein Grund, weshalb Firmen, die Papierverpackungen für ihre Lebensmittel benutzen, lieber auf Frischfasern zurückgreifen oder gleich auf Plastik umschwenken, denn Mineralölrückstände gelten als potentiell gesundsheitsgefährdend.
Es ist also löblich und nachhaltig, wenn Firmen auch ohne Gesetzesvorlagen, auf solche Dinge achten und einen Recyclingzyklus überhaupt möglich machen.
Diese stabilen Papierumschläge bekamen wir damals nicht vor Ort und kannten sie so anfangs auch nicht.

Welche Alternativen gibt es, wenn man Heftumschläge aus Papier nicht vor Ort bekommt und nicht im Internet bestellen will?
Wir haben uns anfangs deshalb folgendermaßen beholfen:
- Tonpapier
Tonpapier bekamen wir als einzelne Bögen unverpackt in verschiedenen Farben lose im Schreibwarenhandel und das in verschiedenen Größen. Daraus falteten wir dann einen Heftumschlag. Diese waren sehr stabil, da das Tonpapier ja auch sehr fest ist und hält seit zwei Jahren tadellos.
-Stoff
 
Eine weitere Variante war ein Heftumschlag aus Stoff. Den haben wir in einem kleinen Geschenkeladen, der mittlerweile nicht mehr existiert, bekommen. Er wurde von einer Frau aus Stoffresten zusammengenäht.
Das kann man eigentlich auch ganz leicht selber machen. Zur Beschriftung haben wir einen wasserlöslichen Stift verwendet, damit man den Umschlag einfach waschen und für die nächste Klasse neu beschriften konnte. Diesen Stift bekommt ihr im Schreibwarenhandel, ihn gibt es auch nachfüllbar und ihr könnt ihn als Folienstift für die Schule weiternutzen, zum Nähen oder zum Beschriften Eurer Gläser für die Vorratshaltung oder beim Einkauf im Unverpacktladen.  Ja, die Hülle des Stiftes ist aus Plastik, aber wird zumindest weiter hergenommen. Das ist nicht 100% Zero Waste, aber kommt dem möglichst nahe.
Falls Ihr andere oder bessere Ideen habt - Ihr wisst ja, der Blog ist auch als Austausch gedacht - bitte kommentieren oder uns schreiben!
Der Stoffheftumschlag schaut übrigens noch tadellos aus! Ihr könnt so auch alte Stoffe weiter- bzw. wieder benutzen (Reusing, eine Säule von Zero Waste)  z.B. von alten Hemden, Blusen, Stoffresten, Tischdecken, Gardinen etc.
Nehmt Ihr Jeansstoffe her, kann es durchaus sein, dass sie etwas schwerer sind als herkömmliche Umschläge. Aber man kann ja auch einen leichten Stoff wählen.
-Aktiv werden!
Wir haben uns also die ersten drei Jahren mit Restbeständen von Papierumschlägen eines Schreibwarenhändlers beholfen, Tonpapier und Stoffumschlägen.
Nach drei Jahren und nachdem wir nun zwei Schulkinder haben, habe ich noch mal im Schreibwarenladen nachgefragt, ob man nicht doch noch einmal Papierumschläge her tun würde, schließlich ist das Plastikproblem ja in aller Munde und geht uns alle an. Außerdem nutzen wir die Ressourcen unserer Erde, die unserer Generation pro Jahr zur Verfügung stehen, schon im ersten Halbjahr aus (Stichwort Earthovershootday). Auf Recycling, Downcycling und damit einer Kreislaufwirtschaft können wir bei Plastikumschlägen aber leider nicht setzen. In unserem gesetzlichen Recyclingsystem sind bei Kunststoffen nur Verpackungen beinhaltet. Der Plastikeinband ist aber keine Umverpackung  und gehört deshalb in den Restmüll  und wird verbrannt. Anders sieht das aus, wenn man eine sogenannte Wertstofftonne vor der Tür stehen hätte. Die ist aber bei uns in Deutschland nicht vorgeschrieben und wird nur freiwillig von ein paar Gemeinden angeboten. Darin könnte man dann z.B. auch Spielzeug, Putzeimer oder Zahnbürsten aus Plastik zum Recycling geben oder eben auch Plastikhefteinbände. Die Wertstofftonne ist nämlich ein Unterschied zu gelben Sack, der gelben Tonne oder dem Wertstoffhof! Viele meinen, dass in den gelben Sack alle Kunststoffe rein dürfen. Das ist nicht so! Wir haben also diesbezüglich keinen geschlossenen Rohstoffkreislauf in Deutschland mit diesem Recyclingsystem. Uns gehen also täglich Rohstoffe verloren und das oft unwiederbringlich!
Ein Rohstoffkreislauf wäre aber nötig, um auch unseren Kindern und Enkel Erde zu hinterlassen. Das klingt abgedroschen, aber konkret und sehr, sehr kurz gefasst, würde das bedeuten, dass sie keine Energie & Ressourcen für Fortbewegung, Heizung, Kochen etc. zur Verfügung haben.
Und genau deshalb habe ich nochmal beim Schreibwarenladen angefragt, ob man nicht Papierumschläge ins Sortiment nehmen würde. Das Problem war, dass ich die einzige war, die danach gefragt hat und nachdem sie vorher schon nicht gekauft wurden, lag es nahe, dass sie auch weiterhin ein Ladenhüter bleiben.

Sie haben sie nun aber doch im Laden!

Und das kam so. Ich habe mir die besonders stabilen Heftumschläge zuschicken lassen und mir auch die Konditionen  wie Mindestabnahme, Komission erklären lassen. Die Umschläge habe ich der Inhaberin gezeigt und sie war doch sehr angetan von der festen Qualität und dem Aussehen der Umschläge. Allerdings wären sie ein paar Cent teurer als die Variante aus Plastik. Das ist ein schlagendes Argument gerade beim Schulanfang. Geldbeutel schlägt Nachhaltigkeit & Umweltschutz.
Mein Gegenargument war aber, dass man aus solchen Heftumschlägen aber ganz leicht Papierperlen machen kann und zwar so: 

 

Es gibt auch eine kleine Kurbelmaschine für Kindergärten, aber wie das Video zeigt, geht es auch mit einem kleinen Holzstab.
Den Kleber kann man leicht aus zwei Zutaten selber machen und zwar so: Anleitung. Will man nicht selbermachen, gibt es kompostierbare und dadurch natürlich auch lösungsmittelfreien und völlig unbedenkliche Kleber als Nachfüller zu kaufen. Mit diesen Großpacks zum Nachfüllen hat man weniger Müll als mit Klebestiften oder vieler kleiner Tuben. Nimmt man einen kompostierbaren Kleber, können die Perlen auch hinterher zum Recycling oder zur Not auf den Kompost.

Macht man solche Perlen selber und das ist ja wirklich sehr einfach, lernen die Kinder spielend, wie man wiederverwenden kann, trainieren ihre Fingerfertigkeiten beim Basteln und dann beim Fädeln, haben Spaß und es schont den Geldbeutel - man muss ja die Perlen nicht neu kaufen. Und damit haben manche Eltern den etwas höheren Kaufpreis (und da handelt es sich um ein paar Cent) wieder drin.
Man kann natürlich auch noch andere Dinge daraus machen, wie Körbchen


gemacht und mit freundlicher Genehmigung von Ida Prosser

oder solche Handyhüllen, die sich nach längerem Benutzen faszinierenderweise fast wie Leder anfühlen.


gemacht und mit freundlicher Genehmigung von Ida Prosser

Das Beispiel Perlen habe ich rausgesucht, weil es zur Altergruppe passte.
Die Weiternutzung muss den Leuten einfach nur klar gemacht werden. Und nun haben wir in Bruckmühl die Möglichkeit, Papier- statt Plastikheftumschläge zu nutzen.
Deshalb auch an Euch Bruckmühler und die aus dem Umkreis kommen:
Bitte nutzt dieses Angebot! Es ist ein Projekt und ein Versuch für dieses Jahr! Wenn es angenommen wird, bleibt es im Bestand!
Geschäfte bieten auch nur das an, was gekauft wird, sonst können sie nicht überleben! In diesen ersten Versuch läuft das ganze auch auf Komission, so dass der Schreibwarenladen kein allzu hohes Finanzrisiko hat, allerdings muss er den Platz zur Verfügung stellen, der vielleicht für besser gehende Produkte ausfällt.

Projekt nachmachen? - Hier kommen die Bezugsquellen
Wenn ihr das nachahmen oder mit Eurer Schule oder Klasse eine Sammelbestellung für Papierumschläge machen wollt, kommen hier die Kontakte (und weil ich sie nenne, muss ich diesen Blogbeitrag laut neuen Gesetzen als Werbung kennzeichnen, auch wenn ich von den Firmen dafür kein Geld erhalte und erhalten will):
https://minouki.com/

Generell kann jeder, der nicht vor Ort Papierumschläge bekommt, feste und C02 neutral produzierte, kobalt- und mineralölfreie Einbände dort beziehen.
Kauft man mehr von einer Sorte als Laden oder z.B. als Klasse oder gar als Schule, bekommt man  Rabatt, der je nach Menge gestaffelt ist. Es lohnt sich also sich zusammenzutun.

In Bruckmühl bekommt man für den Schulanfang 2017/2018 die Papierumschläge bei
Schöner Schenken
-        Schreibwarenladen Strohmeier –
-        Gewerbepark Bruckmühl Gebäude 22
-        83052 Bruckmühl
-        Telefon: 08062 - 809 269 0

Upcycling als Umweltprojekt für Schulen

Ich habe das auch schon einer Grund- und Mittelschule vor Ort vorgeschlagen, dass sie dann als Umweltprojekt (Reusing, Recycling) ja auch Perlen oder Ähnliches im Werkunterricht herstellen könnten. Schulen müssen übrigens pro Schuljahr auch einige Stunden für Umweltbildung zur Verfügung stellen – nur zur Info . Das könnte man dann gut verbinden. In Grundschulen, die mit flexiblen Klassen, also erster und zweiter oder dritter und vierter Klasse gemeinsam, arbeiten,  gibt es ja meist Tutoren, die sich einem Schützling aus der niedrigeren Klasse annehmen und ihnen zur Seite stehen. In manchen Klassen schenken diese Tutoren dem anderen Schüler als Symbol ein Armband, das auch sie tragen. Wie so eine Art Freundschaftsarmband.  So ein Armband könnte man aus Perlen aus den Umschlägen machen. Feedback habe ich von der angeschriebenen Schule noch nicht bekommen.

Aber vielleicht macht so ein Projekt ja jemand von Euch mit der Klasse?

Ihr könnt mir auch gerne in die Kommentare schreiben, was ihr aus alten Heftumschlägen herstellt! Wir freuen uns immer über Inspiration!

noch mehr Ideen für einen nachhaltigen Schulstart oder für das Büro findet Ihr hier:

Malen und Schreiben
- mit (Zero Waste) - Stil

Auch in der Schule oder im Büro hat man Möglichkeiten, Müll einzusparen und auf nachhaltige Ressourcen zurückzugreifen.
Hier ein paar Ideen, wie das beim Malen und Schreiben gehen könnte!
Wenn man sich einiges z.B. für den Schulstart neu anschaffen muss, kann man schon beim Einkauf darauf achten, dass die Utensilien langlebig, nachfüllbar und aus recyclingfähigen Materialien sind. Eine Zusammenfassung über Filzstifte, Buntstifte, Fasermaler, Kugelschreiber, Füller, Konverter, Nachfüllpatronen oder Tintenroller, Kleber etc: weiterlesen

 






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