Zutaten zum müllfreien Backen

Teil1
Selbermachen spart Müll? Das stimmt nicht so ganz. Wenn man selbst backt fallen so viele Verpackungen, Plastik etc. an, dass man sich denkt, da könnte man ja gleich zum Bäcker gehen und sich in eine Tortenform oder eine Box Kuchen geben lassen. Und es ist davon auszugehen, dass die ihre Zutaten in Großpackungen bekommen, was ja weniger Abfall macht als viele kleine Umverpackungen. 
Allerdings ist das ein teures Unterfangen, das sich nicht jeder leisten kann.
Aber Selberbacken kann man mit ein paar Tricks auch ohne ein enormes Müllaufkommen.
Und das geht auch ohne Unverpacktladen vor Ort. Wobei es einige der Backzutaten dort oft auch nicht gibt, dafür aber die Rohstoffe aus denen man sie ganz leicht herstellen kann.


Zitronen- und Orangenaroma:

Selbermachen: Ich habe das selbst in einem Unverpackt-Laden noch nicht offen gesehen. Wir kaufen deshalb trotzdem nicht die beschichteten Tütchen, die zusätzlich mit einer Plastikfolie in einem Zweierpack zusammen gehalten werden. Stattdessen nehmen wir unbehandelte Zitrusfrüchte. Es lohnt sich somit also Bio bzw. unbehandelte Exemplare zu kaufen, denn dann kann man die Schale mitnutzen. Dazu braucht man nicht unbedingt einen Zestenschneider kaufen, sondern nimmt einfach eine Reibe her und entfernt damit die Schale, so dass möglichst noch das Weiße der Schale zu sehen ist.
Es wird immer empfohlen, das Weiße möglichst wenig mit abzumachen, da es sonst bitter wird. Aber ehrlich gesagt, fanden wir die weiße Haut, wenn sie in den Kuchen reinkommt, nicht erwähnenswert. Wir haben immer mal wieder einiges von der weißen Haut mit drin, weil unsere Kinder das Reiben so gerne mögen. Es duftet so schön. Ich glaube, so genau geht es dabei nicht.  
Die Zitruszesten kommen entweder frisch in den Teig oder wir trocknen sie das Jahr über auf einem Teller an der Luft, im Kachelofen, auf der Heizung oder in der Sonne. Alles klappt leicht und der Duft ist toll.

Orangeat und Zitronat

Offen kaufen: Im Unverpackt-Laden (Liste für Deutschland und Österreich), falls man einen vor der Tür hat. Oft gibt es das dort aber nur in der Vorweihnachtszeit. Wer das also das ganze Jahr braucht, der sollte sich eindecken. Das funkioniert, da es sich durch den Zuckergehalt sehr gut lagern lässt. Auch manche Bioläden bzw. Stände am Wochenmarkt bieten das oft lose an. Bei uns war das letztes Jahr so, dass wir es im Bioladen offen bekommen haben. Allerdings ist das nicht so gut angenommen worden, weil die Leute keine Gefäße mitgebracht haben und so sind sie wieder händisch in Plastikbecher eingepackt worden. Aber in der Vorweihnachtszeit scheinen die Läden Orangeat beim Großhändler offen zu bekommen. Nachfragen könnte sich lohnen.
Selbermachen: Orangen, Mandarinen oder Zitronen mit einem Sparschäler schälen oder: von Hand  große Stücke schälen und und dann mit einem Messer oder Löffel hinterher noch etwas von der weißen Haut der Schale kratzen. Große Stücke sollten es deshalb sein, weil es sonst umständlich ist, sie zu entfernen. Dann schneidet man es in ca 0,5cm große Quadrate. Dann wiegt man ab, wieviel Gramm man an Schalen hat und gibt genauso viel Gramm Sirup dazu. Das kann Zuckersirup sein, Dicksaft oder auch Honig. Das Ganze muss nun ca. 3 Wochen ziehen. Dann seiht man es durch ein Sieb ab und lässt es gut abtropfen. Den abgefangenen Sirup kann man weiter zum Backen, Süßen von Früchtetee oder mit Mineralwasser als Limo benutzen.
Dicksaft bekommt man in der Mehrwegflasche im Bioladen z.B. Völkel, Honig im "privaten" Mehrweg beim regionalen Imker (sofern sie überhaupt den Bienen etwas nehmen konnten) und Zuckersirup kann man selbst leicht herstellen aus Zucker und Wasser im Verhältnis 1:1. z.B. 300g Wasser mit 300g Zucker in einem Topf aufkochen bis sich der Zucker gelöst hat. Fertig. Hat man zu viel davon gemacht, lässt er sich sehr lange in einer Flasche oder einem Schraubglas lagern.

Aromatisierter Zucker mit Zimt, Zucker, Orange oder Zitrone

Das kaufen wir auch nicht in Tütchen im Supermarkt, sondern stellen uns das noch billiger und vor allem Bio her.
Für den Zitruszucker nutzen wir wieder die Schalen einer Biozitrusfrucht und vermengen sie frisch mit Zucker. Ab in ein luftdichtes Glas und eine Woche ziehen lassen. Vom Verhältnis her ist es ungefähr eine Zitrone auf einen Tasse Zucker. Nehmen Sie eine große Zitrusfrucht, wie Pampelmuse oder Grapefruit, dann sollte man etwas mehr Zucker nehmen, denn sonst hat man eine klebrige Masse und bzw. ist die dann getrocknet, bekommt man den Zucker nicht mehr aus dem Glas. (Haben wir schon ausprobiert)
Wen kleine Bröckchen der Schale darin stören, der kann das Ganze im Mixer fein schreddern und dann in ein luftdichtes Glas zum Ziehen füllen.
Zimtzucker: 1 gestrichener TL Zimt auf eine Tasse Zucker, zwei Wochen in einem luftdichten Glas ziehen lassen.
Vanillezucker: komplette Vanillestange (ja, mit Schale, das macht gar nichts) im Mixer fein schreddern. 1,5 Tassen Zucker dazu. Vermengen und zwei Wochen in einem luftdichten Glas ziehen lassen.


Zucker:
Wir bekommen Zucker lose in der Mühle (siehe Einkauf in der Mühle). Wir wussten anfangs auch nicht, dass wir diese Möglichkeit haben). Vorher nutzten wir Zucker in recycelbaren Papierverpackungen, die es in Supermärkten gibt. Bio- Zucker, vielleicht sogar fairtrade und ungebleicht ist schwer zu finden in Papierverpackungen. Die Mühle hat ihn. Manche Mühlen bieten auch einen online Shop an und versenden in großen Gebinden in der Papierverpackung. (z.B. Hinterauer etc, siehe onlineeinkaufen).
Manche Mühlen/Großhändler bieten keinen losen Einkauf an. Sie haben aber oft Papiersäcke (5kg, 10kg, 25 kg). Zucker ist trocken gelagert nahezu unbegrenzt haltbar. Es kann sich also lohnen ein Großpack zu nehmen.
Wenn wir ca. einmal im halben Jahr zur Mühle fahren (das meiste ist ja haltbar), sprechen wir uns mit unserer "Einkaufsgemeinschaft" ab und bestellen bei der Mühle schon vor. So ist sicher alles da. Manchmal kaufen wir dann nicht lose, sondern einen Großpack, so wie ihn die Mühle eben auch bekommt und verteilen es dann. Der Papiersack kommt ins Altpapier zum Recycling. Ist ja bezüglich des aufkommenden Mülls egal, ob die Mühle nun entsorgt oder wir. Aber im Vergleich zu vielen kleinen Verpackungen hat man insgesamt richtig viel Müll eingespart.

Puderzucker:
Den gibt es in Papierverpackungen von Südzucker im Supermarkt. Bio, fairtrade etc. haben wir noch nicht gefunden. Großpacks auch nicht. Also geben wir die gewünschte Menge Zucker in den Mixer und lassen ihn auf höchster Stufe einige Sekunden laufen. Achtung: Nicht gleich aufmachen, denn es staubt! Deshalb heißt der Puderzucker in Österreich ja auch Staubzucker. Fertig.

Gewürze wie Zimt, Vanille etc

Manche Apotheken verkaufen Zimt- und Vanillestangen, sowie einige Kräuter und Gewürze lose. Das ist eine Möglichkeit. Dann gibt es noch Gewürzmühlen oder Gewürzläden, in denen man oft offen kaufen kann. Wir haben einen Alfons Schuhbeck Laden in der nächsten großen Stadt. Einmal im Jahr decken wir uns mit Gewürzen zum Backen und Kochen ein, die nicht bei uns im Garten wachsen (wie im Bild Zimt und Pfeffer). Wir haben dort einfach nachgefragt und durften dort lose einkaufen (siehe auch Gewürze lose einkaufen). Vanille gibt es sonst noch im Glas in Supermärkten mit einem kleinen Plastikstöpsel zu kaufen oder schon gemahlen und fairtrade im Glas im "Eine Welt Laden".
Ansonsten gibt es für fast alle Gewürze die Bio- Alternative in recycel- bzw. kompostierbare Verpackung von der Firma Sonnentor (ausschließlich Bioladen). Sie besteht aus einem Karton und einer kompostierbaren Plastikfolie.

Rumaroma:
Rum aus der Flasche. Mehrwegflaschen gibt es manchmal (aber sehr teuer, dafür meist sehr hochwertig) beim Spirituosenhändler, beim Unverpackt-Laden oder im "Essig - und Öl" oder "Vom  Fass" - Laden. Bei letzterem kann man sich auch sehr kleine Mengen abfüllen lassen. Entscheiden Sie selbst, wofür Sie ihn brauchen und was das Budget hergibt.

Hefe
Frischhefe kaufen wir direkt beim Bäcker und lassen sie uns ins Glas geben. Das funktioniert nur, wenn der Bäcker natürlich noch selbst bäckt (was nicht selbstverständlich ist) und die Backstube noch offen ist, also vormittags. Kommen wir später, lassen wir unser Glas dort, die Hefe wird uns dann von den Bäckern eingefüllt und wir holen sie am nächsten Tag ab. Frischhefe lässt sich übrigens prima einfrieren. Es bietet sich an, diese in Portionen abzuteilen z.B. Eiswürfelbehälter und sich dann bei Bedarf etwas zu nehmen.
Trockenhefe  haben wir online anfangs bei z.B.Hinterauer gekauft, mittlerweile kaufen wir sie beim unverpackt-Laden auf Vorrat. Der nächste Unverpackt-Laden Ohne/bzw. Plastikfreie Zone in München ist bei uns mit der Bahn ca. 1,5 Stunden entfernt. Deshalb verbinden wir das ausschließlich mit eine Ausflug, da ein wöchentlicher oder monatlicher Einkauf bis dato (Ende 2016) für uns sonst nicht praktikabel ist.  Hat man aber einen vor Ort, ist das Ganze eh leichter. (Liste & Karte mit Unverpackt-Läden)


Backpulver:
Machen wir selbst und kommt uns insgesamt billiger:
1 halber, gestrichener TL Natron  (lebensmittelecht) und eine Säure
Als Säure kann man 2 EL Saft von einer Zitrusfrucht, verwenden oder Apfelsaft oder
kohlensaures Mineralwasser oder Essig. Desweiteren geht auch 1 TL Fruchtmus. Wer will kann auch einen Schuss Wasser und einen gestrichen TL lebensmittelechte Zitronensäure verwenden oder Weinsteinsäure (Apotheke, direkt ins Glas, relativ teuer). Zitronensäure gibt im unverpackt-Laden, online in größeren Gebinden bei Hinterauer siehe onlineeinkaufen. Größere Gebinde Zitronensäure lohnen sich in der Einkaufsgemeinschaft oder, da sie trocken gelagert auch sehr lange haltbar ist, für viele Dinge im Haushalt (Weichspüler, Klarspüler für die Spülmaschine, zum Putzen, Entkalker, Zutat für Knete, Schaumfestiger mit Leinsamen etc).
Wenn man Natron zur Säure gibt zischt es. Nicht wundern, so soll es sein.
Zu Natron: Dabei handelt es sich um Natriumhydrogencarbonat. Bitte nicht verwechseln mit Natriumcarbonat, auch bekannt als Waschsoda. Der Unterschied ist die Stärke der Base. Nutzen Sie ausschließlich Natriumhydrogenarbonat, auch bekannt als Soda oder Kaisernatron. Das gibt es in der Backabteilung in beschichteten Papiertütchen (Restmüll). Im Vergleich handelt es sich dabei um einen Großpack. Allerdings kann man sich Natron auch in der Apotheke in ein Glas einfüllen lassen. Außerdem kann man es online in Papier bestellen z.B. Hinterauer siehe Onlineeinkaufen. Selbstverständlich haben es die Unverpackt-Lädem als Grundbaustein vorrätig. Etwas mehr davon zu kaufen kann sich lohnen, da man das Tausendsassa Natron zum Waschen, Putzen und Pflegen (Zahncreme, Bäder, Peeling, Haarewaschen) nutzen kann.


Trockenfrüchte:
Datteln bekommen wir im Bioladen, auf dem Markt oder im türkischen Feinkostgeschäft das ganze Jahr über frisch direkt ins Glas. Lose bekommen wir Rosinen im türkischen Feinkostgeschäft (übrigens gar nicht teuer). Manche große Bioläden sollen sie sogar zur Weihnachtszeit offen führen. Das Glück haben wir nicht.
Saisonal bekommt man Datteln, Feigen und getrocknete Aprikosen im Supermarkt oder im Bioladen. Aber auch nicht in jedem. Das ganze Jahr über manchmal offen in türkischen Lebensmittelläden. Manche Mühlen können auch Trockenfrüchte beim Großhändler in Papier bestellen. Dann aber Großgebinde. Selten haben sie es offen vorrätig. Vorrätig ist manchmal aber Studentenfutter. Da die Nüsse oft in das Rezept mit hineinpassen kann das auch eine Möglichkeit sein.
Ansonsten gibt es wieder online die Möglichkeit in recycelbaren Materialien zu beziehen wie Mein Müsli Laden oder Hinterauer siehe onlineeinkaufen.
Zur Lagerung kann man manche Trockenfrüchte in gut verschlossene Gläser füllen oder auch darin einfrieren.

Nüsse und Kerne
Manche Nüsse gibt es regional (z.B. Bauern, Markt) gut zu kaufen, auch ungespritzt. Wer sich gut auskennt, kann sie vielleicht auch sammeln z.B. Walnüsse, Haselnüsse
Erdnüsse, Walnüsse und Haselnüsse haben einige Supermärkte wie Rewe auch saisonal auch offen im Angebot. Diese kann man sich in mitgebrachte Beutel füllen.
Große Bioläden oder Märkte oder Feinkostläden haben als Ergänzung dazu oft noch Makadamianüsse oder Mandeln offen, aber mit Schale, im Angebot.
In manchen Mühlen bekommt man diverse Nüsse und Kerne lose oder auf Bestellung im Papiersack im 5kg Pack. Als Familie und da wir sie das ganze Jahr brauchen (backen, Nussmilch), lohnt es sich diese zu lagern. Auch tun wir uns bei manchen Sorten zur Einkaufsgemeinschaft zusammen.
Online sind diverse Nüsse das ganze Jahr über bei hinterauer oder mein Müsliladen siehe onlineeinkaufen in recycelbaren Materialien zu bekommen (zum Versandverpackung - und Kosten einsparen Einkaufsgemeinschaft oder Vorratshaltung in Betracht ziehen).

Pudding
Puddingpulver könnt Ihr selbst mischen und auch gleich mehr auf Vorrat machen. Dann wird das Aroma
noch intensiver, wenn es länger zieht. Wichtig ist, dass es luftdicht gelagert wird (Glas mit Deckel)
Vanillepudding
100g Speisestärke + 1TL Vanillepulver (Vanilleschote malen, wer will samt Schale)
Schokopudding
100g Speisestärke +  1 EL Kakaopulver
Für einen Pudding nehmt ihr nun 2EL von dem Pulver (ca. 40g) und gebt es zu Eurer Milch (500ml)- egal ob pflanzliche oder tierische, klappt beides. Gesüßt wird nach Geschmack oder wie eben bei den Puddingtütchen mit 2 EL Zucker.

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Liste der Unverpackt-Läden in Deutschland und Österreich
+ Reportage, wie man in einem solchen Laden einkauft





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Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Maria Widerstand, 13.12.2016 um 13:00 (UTC):
Hallo!

Wirklich gute Tipps hast Du da gesammelt. Kann ich nur unterschreiben. Ich nutze seit Jahren kein gekauftes Backpulver und kein Puddingpulver mehr.

Vanillezucker &Co kann man wirklich ganz schnell selber machen und Staubzucker habe ich überhaupt noch nie gekauft, den mache ich immer ganz frisch selbst in einer uralten Kaffeemühle.

Danke fürs Teilen bei EiNaB!

lg
Maria

Kommentar von:13.12.2016 um 16:49 (UTC)
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Hallo liebe Maria,
Stimmt, das geht wirklich super flott. Habe gerade gestaunt, dass deibe Kaffeemühle den Staubzucker so gut hinbringt. Unsere vom Uri lässt sich gar nicht so fein einstellen...
Liebe Grüße
Stefanie

Kommentar von Cornelia, 09.01.2017 um 14:02 (UTC):
Ich hätte da eine Frage zum Backpulver:
Gibt es eine Möglichkeit, das auf Vorrat zu machen? Oder gebt ihr einfach entsprechend Natron in den Teig und später dann die Säure?
Viele Grüße.

Kommentar von Simply, 30.01.2017 um 10:32 (UTC):
Falls man so wie ich auf einer kleinen Insel lebt und somit nicht soviel Auswahl an unverpackten Trockenfrüchte hat, kann man diese ganz leicht selber machen. Dazu einfach das gewünschte Obst in kleine Würfel oder Scheiben schneiden und für mindestens 2 Wochen auf die Heizung legen, oder im Ofen bei 60 Grad ein bis zwei Stunden trocknen lassen.

Kommentar von:30.01.2017 um 19:03 (UTC)
zerowaste
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Hallo Simply,
Auf die Heizung legen hätte ich mich gar nicht getraut, da ich angenommen habe, dass sie eher schimmeln als trocknen! Aber vielleicht klappt es, weil du sie klein geschnitten hast? Ich werde das Mal ausprobieren! Danke für den Tipp!
Liebe Grüße Stefanie



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