Zero Waste Einkaufen im Supermarkt- die Praxis

Wie genau kauft man mit möglichst wenig Verpackung und Müll zu produzieren im Supermarkt ein?
Das geht doch eh nur teuer auf dem Bauernmarkt, in Hofläden oder Gärtnereien. Das ist doch gar nicht in allen Lebensmittelläden möglich? Oder??!! Zugegeben: Offenes Mehl oder Zucker bekommt man in der Regel nicht in einem Supermarkt, sondern eher in der Mühle. Aber auch hier kann man mit möglichst wenig Verpackung, ohne Plastiktüten und mit recycelbaren Verpackung einkaufen. Unserer Erfahrung nach klappt das ausgenommen einiger weniger Produkte in den meisten Supermärkten oder Allroundern.
Und so haben wir es gemacht:
Wir haben uns aufgeschrieben, was wir die kommende oder die kommenden beiden Woche essen wollen. Wir sahen im Vorrat nach, was weg musste bzw. was wir da hatten und schrieben uns so eine Essensliste samt daraus resultierender Einkaufsliste. Wichtig ist dabei, dass man Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Brotzeit für Schule oder Kindergarten, Kaffeetrinken oder Besuch mit einplant.
Natürlich kann man auch mal spontan Besuch bekommen, aber dafür kann man sich z.B. auch einen kleinen Überraschungsbesuchsvorrat erstellen. Wir haben dazu z.B. Kekse da, Kuchen und Brezen eingefroren, was mal eben aufgebacken werden kann oder Kuchen im Glas eingemacht, bei dem man sich sogar das Aufbacken spart.
Durch die Einkaufsliste wussten wir, was wir brauchen. Und anhand dieser, weiß man auch, wieviel eigene, wiederverwendbare Verpackung man mitnehmen muss.
Beispiele:
Für die Pilze nehmen wir eine kleine Stofftasche mit.
Die Kartoffeln wollten wir auch nicht im Plastiksack also muss der dicke Jutesack her. Am Mittwoch hat der jüngste Geburtstag und wir wollen kleine Häppchen reichen. Für das Baguette brauche ich deshalb eine längliche Tasche, wenn ich die französischen Brote nicht direkt in den Wagen legen möchte, was aber auch geht. Brot und Semmeln packe ich in eine eigene Tasche rein. Für Obst und Gemüse, das kleinteilig ist und von dem wir mehr brauchen, wie Mandarinen, Maroni oder Äpfel rechnen wir jeweils eine passende Tasche mit ein. Großes Obst und Gemüse kann so in den Wagen wie Kürbis, Sellerie, Ananas oder ein Bund Bananen.
Für Käse oder evtl. Wurst und Fleisch kann man Schraubgläser, Tupperboxen, Edelstahl – Brotzeitboxen oder einen Topf mit Deckel für Braten mitnehmen. Bei einer großen hungrigen Familien, die höchsten jede Woche, alle zehn Tage oder 14 Tage einkauft, können da schon mal 10 Stofftaschen/Behältnisse oder mehr zusammenkommen.
Diese muss man aber nicht alle kaufen. Es gibt Pfandstofftaschen, man kann alte Plastik- und Papiertüten wiederverwenden oder man macht sich Stofftaschen selbst.
Als Stoff dient ein altes größeres Kleidungsstück, wie ein T-Shirt, bzw. ein alter Bettüberzug, was so wieder Verwendung findet ohne weggeworfen zu werden. Es muss also kein Geld kosten.
Bevor wir zum Einkaufen gehen, nehmen wir also unsere Stofftaschen mit. Dahinein packen wir auch unsere Pfandgläser.
Beim Einkaufen geben wir als erste den Pfand ab, damit wir Platz im Wagen haben. Dann gehen wir nach Liste vor und kaufen auch nur danach ein. Ein gesättigter Magen schützt einen zusätzlich vor spontanen Hungereinkäufen. Sie sparen so Geld und Zeit, denn mit Liste geht es schneller, weil man nicht so viel Zeit verbummelt mit Überlegungen und weil einen die Sirenen der Kundenverführung nicht in die Fänge bekommen. Man kauft hauptsächlich das, was man wirklich braucht und nicht was unnötig, aber runtergesetzt, ist und einen gerade anlacht. Man kann sich selbst so vor dem ungesunden, teuren und meist ziemlich verpackten Convenienceprodukten und Süßigkeiten vorbeischleusen. Mittlerweile wissen wir, welche Produkte wir in recycelbaren Verpackungen und welche wir ohne kriegen. Manche Sachen sind schwer zu bekommen: Zahnpasta, Shampoo, Duschgel, Rasiercreme und Makeup ohne Plastik, Gummibärchen und Chips ohne Plastiktüte, Deo oder Butter. Wir kaufen deshalb nicht ausschließlich im Supermarkt, sondern nutzen alle paar Wochen mal die z.B. die Mühle oder das Internet. Vorallem da wir sämtliche, auch die recycelbaren, Verpackungen vermeiden wollen. Manche Sachen lohnt es sich zudem, selbst zu machen. Das muss nicht aufwenig sein siehe z.B. Zahnpasta versus  Zahnputzpulver.
Wir fahren gerne alle seschs Monate zur Mühle um Zucker, Mehl, Reis und Hirse, Flocken und Müsli auf Vorrat zu kaufen. Diese Produkte fallen bei uns im Supermakt meist aus. Aber man bekommt sie auch dort. Zucker, auch Fairtrade, gibt es z.B. von Südzucker, Mehl, auch glutenfreies z.B. von Seitz in Papier, Nudeln von Barilla und manche Geschäfte bieten auch ein Regionalregal. In unserer Region wird das meiste in Papier oder Glas angeboten.
Kommen wir zum Obst und Gemüse: In einigen Geschäften muss man Abwiegen und eines dieser Restmüll-Aufkleber verwenden, in anderen wird an der Kasse gewogen. Müssen Sie selbst wiegen, dann legen sie die Äpfel ohne die Verpackung auf die Waage, da meist die Stofftaschen mehr wiegen als die Plastikbeutel. Legen Sie dann die Äpfel in den Sack und kleben das Etikett auf den Beutel drauf oder z.B. auf die Rückseite Ihrer Einkaufsliste, falls Sie diese nicht auf dem Handy haben.
So gehen Sie auch bei den anderen Gemüse- und Obstsorten vor. Aufpassen beim Wählen: Die Supermärkte pappen gerne auf ihre einzelnen Kiwis, Äpfel oder Bananen kleine Aufkleber drauf, damit man auch zu hause weiß, dass Sie hier eine Premiumqualität erstanden haben. Völlig unnötig und nur Restmüll. Wenn möglich also die auswählen, die unbeklebt sind.
In einigen wenigen Supermärkten ist die Auswahl an offenem Obst und Gemüse eingeschränkt. Weichen Sie, wenn möglich, auf die Geschäfte aus, die eine größere Auswahl haben. Hier gibt es massive Unterschiede. Einen Wermutstropfen gibt es aber leider bei allen: Die bio-zertifizierten Lebensmittel sind leider meist schon vorverpackt. Da hilft dann nur der Bioladen, die Gärtnerei, der Bauernmarkt, das Gemüsegeschäft oder der Hofladen.
Bei Konserven haben Sie meist die Wahl zwischen einer Dose und einem Glas. Beides ist recycelbar. Allerdings schlägt das Glas vom gesundheitlichen Aspekt die meist beschichteten Dosen, aus denen bedenkliche Stoff auf das Lebensmittel übergehen können. Es liegt an Ihnen, was Sie wählen wollen und können.
Wählen Sie außerdem, wenn möglich, Pfandgläser. Diverse Getränke, Milch, Joghurt, Sahne oder Essig gibt es in Pfandgläsern.
Falls Sie Fisch, Fleisch, Wurst oder Käse an der Frischetheke nutzen, lassen Sie sich die Sachen in Ihre Gefäße geben. Die meisten nehmen diese nicht über die Theke. Aber Sie dürfen es auf die Theke stellen oder Sie lassen es sich herüberreichen. Gesetzlich ist das nicht verboten. Andreas Tief, Pressesprecher des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, sagte gegenüber der Schrot und Korn in der Ausgabe 09/14, dass es keine Rechtsvorschrift gäbe, die es untersagt mit der eigenen Verpackung einkaufen zu gehen. "Es ist also nicht verboten."
Aber Aufpassen beim Aufschnitt oder beim Käse: lassen Sie es sich nicht in Folie einpacken oder als Trennung zwischen den Lagen unterjubeln! Die Leberwurst sollte nicht in Plastik, sondern im kompostierbaren (Bokashi) Naturdarm sein etc.. Das Etikett kommt dann wieder auf die Dose, die Rückseite des Einkaufszettels oder an die Schiebestange des Einkaufswagens.
Und wie ist die Reaktion an der Kasse, wenn man mit der eigenen Verpackung antanzt?
An der Kasse war es bisher kein Problem mit eigenen Taschen einzukaufen. Im Gegenteil! Letzte Woche an der Kasse sagte mit die Verkäuferin: „Schade, dass das nicht mehrere so machen! Da spart man sich die ganzen Plastiktüten.“ Ich fragte daraufhin nach, ob das wirklich kein Problem sei, man höre ja immer wieder, dass die Geschäfte die durchsichtigen Plastikbeutel haben wollten, bekam ich als Antwort: „Nein, wenn der Aufkleber ersichtlich ist, am besten auf dem Beutel drauf, ist das kein Problem.“ Das Geschäft spare sich ja auch die Plastiktüten. Na, dann ist ja allen geholfen . Und so sah unser Einkauf dann aus:
Man sieht, wir kochen selbst und bereiten frisch zu.

Das ist ein großer Bereich der Müllreduktion! Gewusst wie, mit wenigen Zutaten und unkomplizierten Gerichten ist dies für die meisten möglich.

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Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Karin, 26.09.2015 um 08:21 (UTC):
Das mit dem Herüberreichen über die Theke von Käse und Aufschnitt ist ein toller Hinweis. Bislang habe ich es als gegeben hingenommen, dass Läden es nicht dürfen mit der eigenen Verpackung (wegen Lebensmittelhygienegesetz und Salmonellen).
Ich probier das einfach mal und sehe schon, wie mein Göga wieder einmal genervt die Augen rollt . Aber ist mir egal...

Kommentar von Hopey Levrey, 17.05.2016 um 19:36 (UTC):
Danke für die guten Tipps. Ich dachte immer, mach müsste Gemüse Obst in diesen Plastiktüten da abwiegen.

Kommentar von:19.05.2016 um 06:10 (UTC)
zerowaste
zerowaste
Online!

Hi Hopey,
Auf den Gedanken könnte man schon kommen, ist ja auch nicht verwunderlich vorallem weil ja nahezu alle darin angewogen haben. Da fällt mir die Liedzeile von wir sind Helden ein: "und du gehst Rüssel an Schwanz hinterher". Und das passt hier: man macht es nach, weil man denkt, das hat dann schon seinen Sinn. Aber wenn wir nun unsere eigenen Tüten mitnehmen, vielleicht hat das dann irgendwann den gleichen Effekt. Es müssen nur genug machen!
Herzliche Grüße sendet dir Stefanie

Kommentar von Uwe, 30.07.2016 um 09:23 (UTC):
Wenn wir Obst/Gemüse lose kaufen lege ich es bis max 2 Handvoll lose aufs Band das ist dann auch gut von der Kassierin zuhandhaben . "Kullerware" ( Weintrauben Kirschen ...) Packe ich in die Plastikbeutel die ich so oft wie möglich wieder verwende. Was ich aber auch sagen muss das wir mitlerweile sehr auf den Preis achten müssen so das wir lose Ware immer weniger kaufen , komischerweise ist Verpacktes teurer als loses. Für Brot/Brötchen haben wir uns schon vor entlichen Jahren einen Brotbeutel gekauft. Was ich mal in den 90ern bei einem Urlaub ( es war in Nordbayern Ort fällt mir leider nicht ein) super fand war das der Brötchen Lieferservice vom Örtlichen Bäcker Brötchen lose in nem Stoffbeutel geliefert hat.



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