Plasticbagfreeday

13.Juli 2015
Plasticbagfreeday - Plastiktütenfreier Tag
- oder das Problem mit dem Mikroplastik -

Jedes Jahr findet der Plasticbagfreeday, also der internationale plastiktütenfreie Tag, statt. Initiiert wird das Ganze von Zero Waste Europe. Plastiktüten werden in Deutschland momentan pro Kopf ca. 70 im Jahr, (edit 2017: Tendenz sinkend mit der kostenpflichtigen Abgabe der Plastiktüten in manchen Geschäften) verwendet und da sind ja auch Babies und Kinder eingerechnet, die sicher keine Plastiktüte an der Kasse bekommen, um sie sich dann womöglich über den Kopf zu ziehen. Aber dann sähe man wenigstens nicht, was der Vordermann an der Kasse treibt. Die Zucchini sind, auch wenn es sie offen gab, nochmal in eine kostenlose dünne Plastiktüte gehüllt, genauso wie die Ananas, die Mango und die vier Bananen. Die restlichen Lebensmittel, wie Joghurt, Sahne, und Käse sind auch in Plastik verpackt, das Fleisch und die Wurst sowie die Magarine kommen in Plastikschalen daher, die Gummibärchen und Kaubonbons stecken in handlichen Portionen verpackt in einer Plastiktüte, genauso wie die Kekse, die in einer Plastikschale gebettet, überzogen mit einer Plastiktüte und einem bunt bedruckten Karton, damit sie 1. frisch bleiben, es 2. nicht ersichtlich ist, ob ein Keks gebrochen ist, und 3. natürlich für die kundenlockende Präsentation. Dieser Einkauf wird nicht selten an der Kasse in große Tüten verpackt. Da eine Tüte bei größeren Einkäufen nicht reicht, müssen mehrere herhalten. Das ist bequem. Man muss nicht an mitgebrachte Taschen, Kartons, Körbe oder Kisten denken. Außerdem geht es schneller. Die Einkäufe kommen vom Band in die Taschen, die hebt man dann mit einem Handgriff ins Auto, statt jedes einzelne Teil in den Kofferraum zu legen. Und zu Hause angekommen, hätte man ja das gleiche Spiel beim Ausladen, wenn man nicht die Tüten hätte.
An die verschmutzen Weltmeere denkt bei uns in Bayern keiner. Das schönste Argument: Wir leben ja nicht am Meer, wir haben im Inland damit kein Problem. Dass es aber mit den Binnengewässern auch nicht besser aussieht zeigte erst kürzlich eine Studie der Uni Bayreuth. 831 Mikroplastikpartikel pro m² fand man im Ufersegment des Starnberger Sees. Die Donau spült jedes Jahr geschätzte 4,2 Tonnen Plastikmüll ins Schwarze Meer. Schon jetzt schwimmen mehr Plastikpartikel als Fischlarven darin, sagen Forscher der Universität Wien in Ihrer Veröffentlichung im Magazin "Einvironmental Pollution". Mittlerweile wurde in Studien auch Mikroplastik in unserem Trinkwasser gefunden - weltweit. (Studie)
Wie kommt das viele Plastik hinein? Durch unsachgemäße Entsorgung mit und ohne Hilfe von Wind. Das Plastik zersetzt sich mit der Zeit in kleine Partikel durch Reibung, Sonnenlicht und Zerfall zu kleinen Teilchen. Unter 5mm Größe spricht man von Mikroplastik. (sekundäres Mikroplastik)
Schon klein gemahlen kommen Mikroplastikpartikel in Kosmetika wie Peelings oder Zahncreme vor (primäres Mikroplastik). Desweiteren werden beim Waschen z.B. von Fleecepullovern- und Jacken Kunststoffpartikel ins Wasser geschwemmt.
Kläranlagen können das bislang nicht komplett filtern.
Fressen nun also nicht nur Fische und Meeresvögel, wie Videos und Bilder von Tiermägen zeigen, Plastik? Die Tiere verwechseln die klein Kunststoffteilchen oft mit ihrer Nahrung. In nahezu jeder Muschel findet man Mikroplastik! Trinken und essen das auch wir Menschen? Überspitzt: Trinken und essen wir unseren eigenen Abfall?
Ist das schädlich? Würden Sie freiwillig Plastik essen? Mit endokrinen Disruptoren, also mit wie Hormone wirksamen Stoffen? Weichmachern, BPA, Flammschutzmitteln...Mit Folgen wie Krebs, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht, verfrühte Pubertät, Unfruchtbarkeit, Allergien usw. Es ist davon auszugehen, dass das schädlich ist. Man weiß außerdem, dass Tiere die Partikel in ihren Körper einbauen. Die Folge: Entzündungen. Dauerhafte Entzündungen führen oft zu Tumoren. Würde das beim Menschen mit dem Mikrplastik auch passieren? Dazu gibt es keine Studien. Aber es ist naheliegend.
Weit weg vom Meer tragen ganz offensichtlich wohl auch die Menschen im Binnenland einen guten Teil zur Verschmutzung der Gewässer und der Umwelt bei. Und mit Umwelt sind nicht nur die Meere und Tiere gemeint, sondern auch unsere Mitmenschen, unsere nachkommenden Generationen.
Der plastiktütenfreie Tag soll die Leute aufrütteln, wenigstens für einen Tag Plastiktüten zu vermeiden. Das wäre ein Anfang und so einfach.
Beim Einkauf nimmt man seine eigenen Taschen mit. Hat man keine gibt es mehrere Möglichkeiten: Rucksack, Korb, ausleihen, nähen aus einem alten Leintuch oder einer Hose. Kann man nicht nähen, nimmt man diese Anleitung: in 7 Minuten aus alten T-Shirts Einkaufstaschen machen. Kein Nähen nötig.

Oder man kauft sich eine Tasche. Als Schlüsselanhänger ist sie sehr praktisch. Sie hängt klein gefaltet in einem Säckchen am Schlüssel. Und den hat man doch immer dabei! Man kann die Tasche also gar nicht vergessen! Oder man deponiert die Tasche neben der Jacke oder im Ärmel oder der Jackentasche.
In vielen Bio- und Unverpacktläden gibt es mittlerweile auch Gemüsenetze aus Naturmaterialien zu kaufen oder auch online. Manche sind sehr leicht und so kann man sie mit auf die Waage legen. Auch Wäschenetze eignen sich aufgrund des geringen Gewichts. Allerdings sind sie oft aus Kunststoff. Wäscht man sie wieder, dann kann Mikroplastik wieder in unser Wasser gelangen.

Papiertüten sind übrigens keine Alternative. Von der Energiebilanz her schneiden sie genauso schlecht ab, wie Plastiktüten. Klar, sie bestehen aus einem nachwachsenden Rohstoff. Allerdings kann gar nicht so viel nachwachsen, wie wir verbrauchen. Drei Mal die Fläche der Schweiz wird pro Jahr zusätzlich an Wäldern abgeholzt, um den Bedarf zu decken! Desweiteren verbraucht die Herstellung von Papier sehr viel Energie und Chemie. Wiederverwendbare Taschen sind also die Beste Wahl. (siehe auch: Holz ist versorgungskritisch: warum man Papier einsparen sollte)

Wäre die Tasche zu schwer und man möchte dem Laden nichts schenken, kann man auch die Früchte oder das Gemüse lose auf die Waage legen und sie dann in die Taschen packen. Das Kleberetikett kommt dann auf die Tasche oder an den Schiebegriff vom Einkaufswagen. Das Thema Aufkleber hat sich allerdings eh erledigt, wenn direkt an der Kasse gewogen wird. Noch besser.
Wie wäre es, den plastiktütenfreien Tag einmal auszuprobieren? Oder mit ihm den ersten Schritt Richtung Müllvermeidung oder Zero Waste zu setzen?

Das war auch unser Einstieg. Und der muss nicht teuer sein!

Diese Tasche war ein Werbegeschenk


Diese Tasche war Teil einer Windjacke. Darin wurde die Kaputze verstaut, nun Lebensmittel.


Diese Tasche war einmal ein Hosenbein eines Nadelstreifenanzugs. Das Praktische war, dass es nur zweier Nähte bedurfte. Unten zu-, oben einen Tunnel für die Kordel nähen. Die Kordel ist ein altes Stück Paketband.


Diese Tasche haben wir in mehrfacher Ausführung: Sie war mal ein Bettbezug von Oma. Nachdem die Nähkünste der Mama unserer Familie zu Wünschen übrig lassen und der Papa es nicht lernen will, hat auch diese wieder einen Tunnelzug. Die Kordel ist ein altes Geschenkband.


Diese Tasche war auch einmal ein Bettbezug. Löchrig und mit Flecken. Der Bezug wurde in 1cm dicke Bahnen geschnitten und dann mit einer 12er Häkelnadel gehäkelt. Basis war ein Viereck, das so groß war, wie man den Boden der Tasche haben wollte. In die Randmaschen des Vierecks kam jeweils eine feste Masche, an den Ecken drei. So entstand in festen Maschen (also den einfachsten, die man auch in der Schule lernt) die Tasche. Dauerte ca. 3 Stunden, ist aber auch riesig, sehr belastbar und dehnbar.


Diese Tasche wurde aus alten Kleidungsstücken der Kinder zusammengenäht. Sie ist sehr gewöhnungsbedrüftig, wurde aber nach der Vorstellungen unserer damals dreijährigen Tochter zusammengeschustert. Die orangenen "Ohren" sind Geheimfächer, ein Muss :-). Und der Tragehenkel ist mit Stoffresten gepolstert, damit sie auch "kuschelig" ist.


Diese Tasche besteht aus einem alten Kaffesack und einem Stoffrest. Die Tante hatte uns damals diese extrem belastbare Tasche genäht. Brauchen wir sie nicht zum Einkaufen, nehmen wir sie auch als Wäschekorb oder Badetasche her.


Und wer noch weiter gehen möchte, kann auch auf noch mehr Verpackungen beim Einkauf verzichten. Wie das geht zeigt unsere Zero Waste Starthilfe.


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