Drei Monate Zero Waste - unser Fazit

Sind wir nun bettelarm, völlig ausgepowert und am Ende unserer Nerven?
So schnell ist die Zeit vergangen! Mehr als ein Drittel unserer Projektzeit ist schon vorbei. Wir halten bereits vier Monate Mülldiät! Und wir haben abgespeckt! Trotzallem waren die letzten Monate eine schöne und spannende Zeit. Es hat sich einiges verändert.
Wir haben uns vorgenommen, ein Jahr müllfrei zu leben und dabei folgende Fragen zu klären:
Kann man ohne Müll zu produzieren leben?
Auf dem Land, mit einer Familie mit Kleinkindern?
Wird das nicht wahnsinnig teuer, zeitintensiv und einschränkend?
Hier kommt unsere erste Einschätzung nach drei Monaten:
Komplett Zero Waste zu leben ist utopisch. Schließlich sind CO2 und andere Giftstoffe auch Müll und viele Produkte tragen versteckt einen Energierucksack. Der entsteht durch die Produktion, Lagerhaltung oder Rohstoffbergung, etc. Das war aber im Vorhinein klar. Es geht darum, den Müll gen null bzw. so weit es geht zu reduzieren.
Den Restmüll, der bei uns in der Mülltonne ist und der Recycling- und Plastikmüll (nennen wir extra, weil nicht alles recycelt oder downgecycelt werden kann) haben wir aber mit echt wenig Aufwand ziemlich schnell reduzieren können. Wir haben nur noch alle zwei Wochen eine einzige handvoll Restmüll. Der kommt meist noch von unseren Altbeständen (wenn etwas kaputt ging oder ein nicht recyclingfähiges Produkt aufgebraucht wurde) oder er wurde von Leuten zu uns mit ins Haus gebracht.
Wir haben nun die kleinste Mülltonne und wenn wir sie mal nicht raus stellen, haben wir definitiv die nächsten zwei Wochen kein Problem damit, wo wir unseren Müll hintun.
Am Anfang unserer Mülldiät hatten wir einigen Aufwand. Wir mussten herausbekommen, wo wir die Produkte möglichst verpackungsfrei bekommen. Und wenn mit Verpackung, dann in einer recyclingfähigen. Und wenn das nicht möglich war, wie konnten wir sie ersetzen oder selbst machen. Selten kam es soweit, dass wir verzichten mussten.
Neben der Recherche machten wir uns die Mühe unser Haus zu entrümpeln. Nicht, dass wir eine Messibude hätten, aber man hat in einigen Bereichen mehr als man braucht oder eben viel Plastik.
Wir haben einiges ersetzt und müssen das auch noch in Zukunft tun. Wir wollen es aber nicht wegwerfen, sondern weitergeben. Wir haben mittlerweile fast alle unsere Plastikbehälter verkauft und vom Erlös Einmachgläser gekauft.
Einmachen und dafür Rezepte finden war auch ein Aufwand, den wir im Herbst betrieben haben. Allerdings nicht allzu exzessiv.
Mittlerweile müssen wir nicht mehr so viel Zeit investieren. Im Gegenteil: eine Tendenz zur Zeiteinsparung lässt sich erkennen. Wir sparen besonders bei der Mülltrennung durch viel weniger Fahrten zum Wertstoffhof bzw. dadurch, dass wir nicht mehr so viel konsumieren. Wir fragen uns nun, ob wir das wirklich brauchen oder ob es auch ohne geht? Werbung nehmen wir nicht mehr an und sind nun nicht mehr zusätzlich zu unserem Einkaufstag am Aktionstag im Supermarkt anzutreffen.
Dadurch sparen wir auch jede Menge Geld.
Die Frage, ob es nicht wahnsinnig teuer kommt, können wir deshalb verneinen, denn sonst hätten wir unser Projekt abbrechen müssen. Wir haben nun mal nur ein gewisses Budget zur Verfügung.
Im Gegenteil: Wir haben sogar gespart: Dieses Jahr haben wir seit Jahren das erste Mal nicht den Weihnachtsbonus trotz Weihnachtsgeschenken ausgeben müssen! Und außerdem haben wir einen guten Vorrat zu hause, in dem auch einiges an Geldwert steckt.
Wir sparen auch durch folgende Umstände:

  • wir kaufen weniger Süßigkeiten, weil sie meist in Plastik verpackt sind. Wir kaufen lediglich Gummibärchen in 3kg – Großpackungen. Die Kekse backen wir ab und an selbst.

  • Wir nutzen nun viele wiederverwendbare Produkte: waschbare Putzlappen ersetzen z.B. Schwammtuch oder Zewas, waschbare Binden Wegwerf-Pendants, Servietten liegen nun aus Stoff bei Tisch, Aleppo-Seife ersetzt Duschgel, Flüssighandseife, Shampoo und Rasierschaum, Birkenzucker ersetzt sehr ergiebig die Zahncreme.

  • manche Sachen brauchen wir gar nicht mehr:
    Frischhalte- oder Alufolie findet Ersatz durch einen Teller (z.B. als Abdeckung einer Salatschüssel)

  • Putzmittel kaufen wir kaum noch, nur die Grundsubstanzen wie Natron (im Großpack in Papier) oder Zitronensäure, bzw. Seife. Essig stellen wir selbst her. (Echt kein Aufwand – Rezept). Waschmittel machen wir aus Kastanien momentan selbst (Rezept) bis wir eine andere duftstofffreie Alternative haben. Ans Spülmaschinenmittel haben wir uns auch schon gewagt. Die diversen Rezepte, die im Internet kursieren, stellten uns aber nicht wirklich zufrieden. Vielleicht liegt es an unserem sehr kalkhaltigem Wasser?

Es ist also machbar. Und es macht Spaß. Wir sind zufriedener, lernen viele neue Fertigkeiten und empfinden den Zero Waste Lifestyle nicht als einschränkend. Bis dato würden wir sagen, dass wir das auch über das einjährige Projekt hinaus so weiterleben wollen.
Aber es kommen ja noch ein paar Monate. Im Sommer braucht man andere Sachen als im Winter. Noch haben wir Altbestände, aber es werden bestimmt Produkte ersetzt werden müssen. Werden wir da Alternativen finden oder am finanziellen und zeitlichen Aufwand scheitern? Und diese handvoll Müll – kann man sie reduzieren? Inwieweit kann man eigentlich in der warmen Jahreszeit mit drei kleinen Hochbeeten und einem Balkon zur Selbstversorgung beitragen? Rentiert sich das? Wie zeitaufwendig wird das? Und inwieweit können wir die mit schädlichen Substanzen belasteten, teilweise kaum recyclingfähigen Plastiksachen ersetzen und wodurch? Es gibt also noch einige Fragen, die geklärt werden müssen. 


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