10 Fragen....

...die Ihr schon immer einen Zero Waste Blogger stellen wolltet - (oder auch nicht, aber so lautete die Rubrik )
Inge vom Zero Waste Bloggers Network hat uns auf ihrem Blog Gruenish,  nominiert, 10 Fragen zu beantworten.
Klar, machen wir da mit! Danke, für die Einladung!

Wie/Warum habt ihr Euer Leben auf Zero Waste umgestellt?
Zuerst zum Warum: Müll nervt. Man sieht ihn auf der Straße, auf dem Spielplatz, auf dem Berg, im Supermarkt und dann zuhause, wenn man die Lebensmittel auspackt. Die Menge an Müll war größer als die Menge an Lebensmittel! Und das wollte auch noch entsorgt werden. Restmüll war ja einfach: Tonne rausstellen und alle zwei Wochen abholen lassen. Tja, und genau das sollte man auch nicht vergessen. Was macht man, wenn man es vergisst oder wenn man wegen der Feiertage die neuen Abholungszeiten nicht mitbekommt? Dumm aus der Wäsche schauen ist eine Möglichkeit, bringt aber nicht viel. Wohin dann mit dem Müll?
Zweiter Grund: Müll stresste: Insbesondere das Entsorgen des Recyclingmülls. Bei uns gibt es weder Bio- noch gelbe Tonne im Landkreis. Stattdessen muss man zu den Öffnungszeiten, die nicht unbedingt arbeitnehmerfreundlich sind, zum Wertstoffhof. Familien sind von arbeitnehmerunfreundlichen Zeiten durchaus auch betroffen, schließlich hat nicht jede Familie zwei Autos zur Verfügung bzw. einen Babysitter. Beim Wertstoffhof geht es dann dementsprechend zu, alle sind gestresst (keiner hat ja Lust seinen Müll fein säuberlich auf gefühlte 50 verschiedene Container zu verteilen). Hier PP, da Pe, dort nur bis DIN A4. Mit Baby und Kleinkind im Auto war das kein schönes Unterfangen. Baby schrie, weil Mama nicht da ist, Kleinkind verstand daraufhin nicht mehr die CD und wurde auch zwider. Mitmachen klappt nicht, denn die Container sind zu hoch. Also beide Kinder gleichzeitig heben und dazu noch den Müll reinwerfen? Das sind zu wenig Hände und bedeutet, die Hälfte des eigenen Gewichts zu stemmen. Kleinkind rumlaufen lassen? Ne, lieber nicht. Dort ist es eng, die Autos parken kreuz und quer.
Kurzum: es war Stress. Einmal pro Woche fiel aber bei einer vier Köpfen plus orstansässiger Riesenfamilie, mit der man auch gerne zusammen isst, ein Kofferraum mit Recyclingmüll an. Ok, ein kleiner Kofferraum, trotzdem viel. Einmal pro Woche!
Das sollte sich ändern!
Wir fingen an bewusster einzukaufen, keine Werbung mehr zu lesen, Plastik zu meiden und fielen immer wieder ins alte Schema zurück. Wir blieben aber mit kleinen Schritten am Ball, glaubten aber selbst nicht, dass man ohne Müll auskommen kann. Der Knackpunkt kam, als wir den Fernseher in den Keller verbannten, wo wir keinen TV-Empfang haben. Das gab uns Zeit zu recherchieren. Das half uns Plastik auf unser persönliches Minimum zu reduzieren. Dann stießen wir auf einen Zero Waste Artikel über Bea Johnson. Sie hatte nur noch ein Glas Müll im Jahr und lebte in einem schicken Haus, hatte mehr Zeit und Geld. Das beeindruckte. Wir kauften uns ihr Buch und ein weiteres zu dem Thema von Amy Korst. Beide sagten, es ist möglich. Wir starteten unser Projekt und stellten unser Einkaufsverhalten um, reduzierten unseren Konsum, setzten auf multifunktionale und wiederverwendbare Dinge.

Seit wann versucht Ihr Zero Waste umzusetzen?
Zero Waste ist ein Prozess. Mit vollem Einsatz leben wir erst seit September 2014 den Zero Waste Lifestyle. Davor haben wir zwar auch versucht den Müll zu reduzieren, allerdings mit dem Unterschied, dass es 

  1. nicht klappte,
  2. wir dachten, dass es nicht klappen kann, weil wir zu dem Zeitpunkt noch nie etwas von Zero Waste gehört, geschweige denn von einem Menschen, der mit möglichst wenig Müll lebte und „normal“ war. Also kein komischer Aussteiger, der in Lumpen, einsam und hungrig im Wald lebte.

Wir haben quasi schon seit einigen Jahren versucht, Müll zu reduzieren, wissen aber erst seit September, dass es klappt und wie es funktioniert. (siehe auch  10 Schritte zum Zero Waste)

Verratet uns doch einige Eurer besten Tricks, um auf Zero Waste umzustellen?
Das erste ist: wir versuchen das meiste lose zu kaufen und nehmen unsere eigene Verpackung mit. Loses Gemüse gibt es auch im Supermarkt. Die kleinen Plastik- oder Papiertüten dort ersetzt man durch mitgebrachte, wiederverwendbare Beutel - selbstgemacht oder gekauft.
Wir machen unsere großen, stabilen Einkaufstaschen z.B. aus alten, in Bahnen zerschnittenen Leintüchern oder Pullovern. Dazu hat die Mama unserer Familie sogar vernünftig häkeln gelernt.
     
Als Putzmittel nehmen wir meist Essigwasser her.
Den Essig stellen wir aus Essensresten (Rezept) kostenlos selbst her und manchmal aromatiersieren wir ihn mit Orangenschalen. Generell machen wir einige Produkte  selbst, wenn sie nicht zu aufwendig sind - auf manche verzichten bzw. ersetzen wir: Frischhalte- oder Alufolie (ersetzt durch Schüssel mit Deckel oder Dose), Shampoo, Duschgel, flüssige Hand- und Rasierseife werden durch ein hochwertiges Stück Seife ersetzt, Kaffeekapseln durch French Press, Coffee to go wird zu einem slow coffee, also in Ruhe zu hause genossen – purer Luxus! Und dann nutzen wir gerne wiederverwendbare Dinge: Taschen und Behälter zum Einkaufen, die abwaschbar sind, Stofftaschentücher, waschbare Lappen, Rasierhobel, Teesiebe oder neuerdings den Waschball.

Wo habt Ihr so viel Zeit her, diese ganzen Sachen zu machen?
Wir schauen, wie gesagt, kaum fernsehen, und gehen weniger einkaufen. Und wenn dann nur mit vorausschauender Planung und Einkaufsliste. Das, was wir da an Zeit einsparen, können wir dazu verwenden Dinge selbst zu machen. Allerdings machen wir gerne einfache und nicht zu aufwendige Rezepte, die noch dazu Spaß machen, weil sie klappen. Wir versumpfen somit definitiv nicht im Selbermachstress. Ganz im Gegenteil: wir haben eher das Gefühl, dass wir mehr Zeit haben.

Wieviel Müll hat Eure Familie noch pro Woche?
Kommt darauf an, wieviele Pflaster wir brauchen und wie viel die Besucher mit ins Haus bringen :-). Im Ernst: Seit Januar ist es dieses Gurkenglas auf der linken Seite.
Jede Woche ein kleiner Kübel Recyclingmüll. Das wird hoffentlich noch weniger, wenn wir die ganzen „Altlasten“ aufgebraucht haben.

Es soll ja ganz schön teuer sein, alles selbst zu kochen. Seid ihr reich?
Ja, reich an Erfahrung und gutem Essen. Wir haben gelernt, wie man müllreduziert einkaufen kann und wo. Es ist regional unterschiedlich, welche Möglichkeiten man hat. Wir haben keinen verpackungslosen Laden und so mussten wir andere Möglichkeiten finden. Auf unserem Blog posten wir einige dieser Möglichkeiten. Über unser Budget können wir nicht gehen, es ist nach oben hin gedeckelt. Wir sparen an unterschiedlichen Stellen: wir kaufen insgesamt weniger, Second Hand oder wiederverwendbare Dinge. Noch mehr Sparmöglichkeiten haben wir vor einiger Zeit mit unseren 7 Zero Waste Spartipps zusammengefasst.

Was war am schwersten aufzugeben?
Kekse. Wir backen sie nun selbst, haben aber einen großen Umsatz. Stattdessen gibt es nun auch manchmal Kuchen, der weniger Arbeit macht.
Ansonsten war alles leicht umzusetzen oder wir haben einen Kompromiss gefunden, bzw. das Thema erst einmal hinten angestellt.

Welche Kompromisse musstet Ihr bisher eingehen, die nicht Zero Waste sind?

  • Spülmaschinentabs ( die DIY- Rezepturen funktionieren bei sehr kalkhaltigem Wasser nicht und wir haben noch nicht den richtigen Dreh gefunden. Wir bleiben aber dran).
  • Gummibärchen (wir bestellen sie in der 3kg-Großpackung, wie sie auch der Gummibärchenladen bekommt)
  • Deo (weil die Mama Ausschlag auf die selbstgemachte Version bekommen hat, aber demnächst wollen wir uns mal wieder an eine Rezeptur ranwagen)

Welche Zero Waste Blogs mögt Ihr am liebsten?
Www.trashisfortossers.com
myzerowaste.com
www.zerowastemunich.com

Ganz Spontan: Ein lustiger Fact über Euch!
An unserem Weihnachtsbaum hingen Ostereier.
(das passiert, wenn man die Kinder schmücken lässt)


Als nächstes nominieren wir Hannah von Zerwastemunich, Lauren von trash is for tossers und Rachelle von myzerowaste
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Zero Waste Tipps für den Alltag - umsetzbar und einfach



Bokashi - unser Küchenkomposter





 

 

Sparen durch Zero Waste





Kommentare zu dieser Seite:
Kommentar von Inge, 12.04.2015 um 21:00 (UTC):
HAHA! Gibt es ein Foto von dem Weihnachtsbaum?

Hatte vorher noch nicht von Amy Korst gehoert, danke fuer den Tip.

Besonders interessant finde ich Deinen Bericht ueber den woechentlichen Besuch beim Wertstoffhof. Da bleibt einem echt ne Menge stress erspart, wenn man da nicht mehr hin muss. Habt Ihr super hinbekommen!

Kommentar von:13.04.2015 um 18:26 (UTC)
zerowaste
zerowaste
Offline

Hi Inge, na gut, weil Du es bist ! Sieh mal oben, habe es eingefügt! Liebe Grüße Steffi

Kommentar von Rachelle Strauss, 19.04.2015 um 09:06 (UTC):
Thanks so much for sharing your answers and tagging me, Stefanie. It seems your life is much richer because of your zero waste choices and I love that you make it sound very straight forward for anybody to try - very inspirational!

Kommentar von zero waste Mama, 27.04.2015 um 18:50 (UTC):
Hi Rachelle,

Thank you so much for you comment, it means very munch to me, because you are a big inspiration for me! Kind regards, Stefanie



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